In Duisburg endet nach 53 Jahren eine Hochofen-Ära

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann in Duisburg ist ein Stück deutscher Industriegeschichte zu Ende gegangen. HKM hat am Sonntag, 20. September 2026, den Betrieb von Hochofen A beendet. Die Anlage war 1973 in Betrieb genommen worden und produzierte damit 53 Jahre lang Roheisen. Die Abschaltung ist Teil eines grundlegenden Umbaus des Stahlwerks, das seit Juli vollständig zum Salzgitter-Konzern gehört.

Der Hochofen A bei HKM verschwindet damit aus der laufenden Produktion zu einem Zeitpunkt, an dem der Standort seine bisherige, stark auf Kohle und Koks gestützte Herstellungsroute schrittweise verändert. Erst wenige Tage zuvor hatte HKM die Koksofenbatterie 2 außer Betrieb genommen. Sie war seit 1984 in Betrieb und hatte nach Unternehmensangaben insgesamt knapp 45 Millionen Tonnen Koks produziert.

Hochofen A lief seit 1973

Die industrielle Geschichte des Standorts in Duisburg-Huckingen reicht deutlich weiter zurück als die heutige HKM. Bereits 1909 entstand dort eine Stahlhütte. Hochofen A wurde 1973 in Betrieb genommen, Hochofen B folgte 1981. Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann selbst entstanden 1990 durch die Zusammenführung von Aktivitäten von Krupp und Mannesmann.

Bis zum Beginn des aktuellen Umbaus verfügte HKM über zwei Hochöfen, eine eigene Kokerei, eine Sinteranlage und ein Stahlwerk. Das Unternehmen nennt eine jährliche Rohstahlproduktion von mehr als vier Millionen Tonnen. Gefertigt werden unter anderem Brammen und Rundstahl für die weitere industrielle Verarbeitung.

Mit der Abschaltung von Hochofen A endet nicht die Stahlproduktion bei HKM. Hochofen B und weitere Anlagen gehören zunächst weiterhin zur bestehenden Produktionsstruktur. Der grundsätzliche Plan sieht jedoch vor, die bisherige Hochofenroute schrittweise durch eine stärker strombasierte Produktion zu ersetzen.

Neuer Elektrolichtbogenofen soll 2029 fertig sein

Zentrales Projekt für die Zukunft des Werks ist ein neuer Elektrolichtbogenofen. HKM und der Anlagenbauer Tenova schlossen dafür Ende Juli einen Vertrag über Engineering, Lieferung, Errichtung und gemeinsame Inbetriebnahme. Die Fertigstellung ist für 2029 vorgesehen.

Die Anlage soll eine maximale Kapazität von bis zu 2,5 Millionen Tonnen erreichen. Der geplante Arbeitspunkt liegt nach Angaben von Salzgitter bei rund zwei Millionen Tonnen. Damit wäre der Ofen nach Unternehmensangaben der größte Elektrolichtbogenofen Deutschlands und der zweitgrößte in der Europäischen Union. Das Projekt wird im Rahmen der Bundesförderung Industrie und Klimaschutz mit insgesamt 200 Millionen Euro von Bund und Land Nordrhein-Westfalen unterstützt.

Elektrolichtbogenöfen ermöglichen einen deutlich stärkeren Einsatz von Stahlschrott. Das Metall wird mit elektrischer Energie eingeschmolzen. Damit verändert sich die Rohstoffbasis gegenüber der klassischen Hochofenroute, bei der Eisenerz unter Einsatz von Koks zu Roheisen reduziert wird. Salzgitter verbindet den Umbau mit dem Ziel einer deutlich CO2-ärmeren Stahlproduktion.

Von rund 3.000 auf etwa 1.000 Beschäftigte

Die Transformation hat zugleich erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten. Bei der vollständigen Übernahme von HKM im Juli nannte Salzgitter eine Belegschaft von rund 3.000 Menschen. Bis Ende 2028 soll die Zahl im Zuge der Restrukturierung auf etwa 1.000 sinken. Damit würden rund 2.000 Stellen entfallen. Salzgitter erklärte, die Veränderungen sollten grundsätzlich sozialverträglich umgesetzt werden.

Der Umbau hängt auch mit der früheren Eigentümerstruktur zusammen. HKM war über Jahre ein Gemeinschaftsunternehmen von Salzgitter, thyssenkrupp Steel Europe und Vallourec. Nachdem sich die beiden anderen Anteilseigner zurückziehen wollten, übernahm Salzgitter das Unternehmen im Juli vollständig. Die Versorgung von thyssenkrupp Steel mit Brammen aus Duisburg soll noch bis Ende 2028 fortgesetzt werden.

Damit bleibt der Duisburger Standort erhalten, allerdings mit geringerer Produktionsmenge und deutlich kleinerer Belegschaft. Die bisherige jährliche Rohstahlkapazität von mehr als vier Millionen Tonnen wird nicht vollständig durch den neuen Elektrolichtbogenofen ersetzt.

Duisburg bleibt ein wichtiger Stahlstandort

Für Duisburg bedeutet der Umbau bei HKM einen weiteren grundlegenden Wandel der traditionellen Stahlproduktion. Die Stadt gehört seit mehr als einem Jahrhundert zu den wichtigsten europäischen Standorten der Branche. Die Abschaltung eines Hochofens bedeutet deshalb mehr als den Austausch einer einzelnen technischen Anlage. Sie steht für den Wechsel von einer kohlenstoffintensiven Produktionsroute zu Verfahren, bei denen Strom und der Einsatz von Recyclingmaterial eine wesentlich größere Rolle spielen.

Dieser Wandel findet nicht nur bei HKM statt. Auch andere deutsche Stahlunternehmen investieren Milliardenbeträge in neue Produktionsanlagen. Salzgitter baut am eigenen Standort im Rahmen des Projekts SALCOS unter anderem eine Direktreduktionsanlage und Elektrolichtbogenöfen. Die Bundesregierung unterstützt solche Projekte mit hohen Förderbeträgen, weil die Stahlherstellung zu den energieintensiven Industrieprozessen gehört und ihre CO2-Emissionen erheblich gesenkt werden sollen.

Gleichzeitig erfolgt die Transformation in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Die Rohstahlproduktion in Deutschland lag von Januar bis Juli 2026 bei rund 21,3 Millionen Tonnen und damit 6,8 Prozent über dem schwachen Vorjahreszeitraum. Allein im Juli ging die Produktion im Vergleich zum Juli 2025 jedoch um 1,8 Prozent auf knapp 2,7 Millionen Tonnen zurück.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl verweist trotz der Erholung im ersten Halbjahr weiterhin auf eine schwache Nachfrage. Besonders wichtige Abnehmer wie die Bauwirtschaft, der Maschinenbau und die Autoindustrie entwickelten sich nach Einschätzung des Branchenverbands nur verhalten. Für das erste Halbjahr 2026 lag die deutsche Rohstahlproduktion bei 18,6 Millionen Tonnen, rund neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Stahlproduktion wird stärker vom Strompreis abhängig

Mit dem Ausbau von Elektrolichtbogenöfen verschiebt sich zugleich die Kostenstruktur der Branche. Strom wird für die Produktion noch wichtiger. Die Bundesregierung hat deshalb für die Jahre 2026 bis 2028 einen Industriestrompreis für besonders energieintensive Unternehmen eingeführt. Daneben wurde die Strompreiskompensation für bereits begünstigte Branchen wie die Stahlindustrie ausgeweitet.

Für HKM beginnt dieser technologische Wechsel nun sichtbar. Innerhalb weniger Tage wurden die Koksofenbatterie 2 und Hochofen A aus dem Betrieb genommen. Gleichzeitig laufen die Arbeiten für eine Produktionsstruktur, die ab 2029 wesentlich stärker auf elektrische Stahlerzeugung ausgerichtet sein soll.

Die Stahlproduktion in Duisburg bleibt damit bestehen. Nach dem Ende des Hochofens, der seit 1973 zum Werk gehörte, wird sie allerdings künftig mit weniger Beschäftigten, geringerer Kapazität und einer grundlegend veränderten Anlagentechnik fortgeführt.

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