Anleiherenditen steigen wieder: Was Sparer und Bauherren spüren

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Die Zinsen rücken zum Wochenstart wieder stärker in den Mittelpunkt der Finanzmärkte. Steigende Renditen langlaufender Staatsanleihen und erneut höhere Ölpreise belasten am Montag, 28. September 2026, Teile der Aktienmärkte. Zugleich wächst die Erwartung, dass die großen Notenbanken ihre Geldpolitik länger straff halten könnten.

Besonders deutlich ist die Bewegung am US-Anleihemarkt. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg am Montagmorgen auf rund 5,52 Prozent und bewegte sich damit in der Nähe des höchsten Niveaus seit mehr als zwei Jahrzehnten. Allein im September legte sie bislang um rund 27 Basispunkte zu. Auch kürzere Laufzeiten haben deutlich angezogen.

Parallel verteuerte sich Rohöl erneut. Brent stieg am Montagmorgen um rund 2,7 Prozent auf 107,16 Dollar je Barrel. Höhere Energiepreise erhöhen das Risiko anhaltender Inflation und erschweren damit den Notenbanken eine Lockerung ihrer Geldpolitik.

Höhere Renditen erhöhen den Druck auf Kreditzinsen

Die Entwicklung am Anleihemarkt betrifft nicht nur professionelle Anleger. Langfristige Kapitalmarktzinsen spielen auch für die Konditionen von Immobilienfinanzierungen eine wichtige Rolle. Banken refinanzieren langfristige Kredite unter anderem über den Kapitalmarkt. Steigen dort die Kosten, kann sich das mit Verzögerung auch in höheren Bauzinsen niederschlagen.

Dieser Effekt ist in Deutschland bereits sichtbar. Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp bezifferte den Zinssatz für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung im September auf rund 4,2 Prozent. Für Finanzierungen mit einem Beleihungsauslauf von 80 Prozent lagen die ausgewiesenen Effektivzinsen zuletzt ebenfalls bei etwa 4,20 Prozent. Bei höherer Beleihung waren es bis zu 4,49 Prozent. Interhyp führt den jüngsten Anstieg ausdrücklich auch auf höhere Renditen von Staatsanleihen zurück.

Schon Mitte September hatte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zeitweise 3,5723 Prozent erreicht. Das war der höchste Stand seit Juni 2009. Am 16. September lag sie nach einer leichten Gegenbewegung bei rund 3,50 Prozent.

Für Immobilienkäufer bedeutet das: Selbst wenn die Europäische Zentralbank ihren Leitzins bei einer Sitzung unverändert lässt, können Bauzinsen steigen. Entscheidend sind neben der Geldpolitik unter anderem die Erwartungen zu Inflation, Wirtschaftswachstum, Staatsverschuldung und der zukünftigen Entwicklung der Kapitalmarktzinsen.

Schon kleine Zinsunterschiede machen viel aus

Bei hohen Darlehenssummen haben Änderungen von wenigen Zehntelprozentpunkten spürbare Auswirkungen. Bei einem Immobilienkredit über 300.000 Euro entspricht beispielsweise ein um 0,5 Prozentpunkte höherer nominaler Zinssatz zu Beginn rechnerisch 1.500 Euro zusätzlichen Zinsen pro Jahr, sofern die übrigen Bedingungen unverändert bleiben.

Die tatsächlichen Konditionen hängen allerdings stark von Eigenkapital, Beleihungswert, Bonität, Tilgung und Zinsbindung ab. Einen einheitlichen Bauzins für alle Kreditnehmer gibt es deshalb nicht.

Die jüngsten Daten der Europäischen Zentralbank zeigen auch für den gesamten Euroraum bereits eine Aufwärtsbewegung bei einzelnen Kreditlaufzeiten. Im Juli lag der Zinssatz neuer Wohnungsbaukredite mit einer anfänglichen Zinsbindung von mehr als fünf bis zehn Jahren bei durchschnittlich 3,73 Prozent. Einen Monat zuvor waren es sechs Basispunkte weniger. Der zusammengefasste Finanzierungssatz für neue Wohnungsbaukredite lag bei 3,54 Prozent.

Sparer können von höheren Zinsen profitieren

Für Sparer wirkt die Zinsentwicklung grundsätzlich in die entgegengesetzte Richtung. Steigende Leitzinsen und höhere Kapitalmarktrenditen schaffen für Banken mehr Spielraum, Einlagen besser zu verzinsen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Tagesgeld-, Spar- und Festgeldzinsen automatisch im gleichen Umfang steigen.

Die Unterschiede zwischen den Anlageformen bleiben groß. Nach den jüngsten verfügbaren EZB-Daten erhielten private Haushalte im Euroraum im Juli für neu vereinbarte Termineinlagen durchschnittlich 2,14 Prozent. Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr wurden im Mittel mit 2,10 Prozent verzinst. Bei täglich verfügbaren Einlagen lag der durchschnittliche Zinssatz dagegen lediglich bei 0,28 Prozent.

Die Zahlen zeigen, dass Banken höhere Marktzinsen unterschiedlich schnell an ihre Kunden weitergeben. Für Sparer kann sich deshalb ein Vergleich von Tagesgeld und Festgeld weiterhin lohnen. Steigende Marktzinsen garantieren allerdings nicht, dass jedes Institut seine Konditionen unmittelbar anpasst.

EZB hat die Zinsen im September bereits angehoben

Die Europäische Zentralbank selbst hat ihre Geldpolitik zuletzt bereits gestrafft. Der EZB-Rat beschloss am 10. September eine Erhöhung der drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Seit dem 16. September liegt der für die Geldpolitik besonders wichtige Einlagensatz bei 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz beträgt 2,65 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz 2,90 Prozent.

Damit hat sich die Richtung gegenüber 2025 verändert. Im Juni 2025 hatte der Einlagensatz noch bei 2,00 Prozent gelegen. Im Juni 2026 erhöhte die EZB ihn zunächst auf 2,25 Prozent und im September auf 2,50 Prozent.

Grund für den restriktiveren Kurs sind vor allem wieder stärkere Inflationsrisiken. Energiepreise spielen dabei eine zentrale Rolle. Steigende Öl- und Gaspreise können Transport, Produktion und Konsum verteuern und damit den Preisauftrieb länger hoch halten.

Märkte rechnen mit länger hohen Zinsen

Die Entwicklung beschränkt sich nicht auf Europa. Auch in den USA haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik deutlich verändert. Nach dem jüngsten Anstieg der Renditen preisten die Terminmärkte am Montag eine Wahrscheinlichkeit von rund 68 Prozent für eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank bei ihrer Oktober-Sitzung ein. Bis Ende 2027 waren insgesamt rund 90 Basispunkte zusätzlicher Straffung in den Marktpreisen enthalten. Diese Werte sind Markterwartungen und können sich mit neuen Konjunktur- und Inflationsdaten schnell verändern.

Auch für den Euroraum waren zuletzt weitere Zinsschritte in den Marktpreisen enthalten. Mitte September erwarteten Anleger einen Anstieg des EZB-Einlagensatzes von aktuell 2,50 Prozent auf etwa 2,85 Prozent bis zum Jahresende. Für 2027 wurden zeitweise noch höhere Sätze eingepreist. Dabei handelt es sich nicht um Ankündigungen der EZB. Die Zentralbank hat ausdrücklich keine bestimmte Abfolge weiterer Zinsschritte festgelegt.

Öl, Inflation und Anleihemärkte werden entscheidend

Für Verbraucher laufen damit zwei Entwicklungen gleichzeitig. Kreditnehmer und Immobilienkäufer müssen mit einem weiterhin erhöhten Zinsniveau rechnen. Sparer erhalten dagegen bessere Voraussetzungen für höhere Guthabenzinsen als in der langjährigen Niedrigzinsphase.

Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt wesentlich davon ab, ob sich der Inflationsdruck wieder abschwächt. Bleiben Ölpreise, Löhne und andere Kosten hoch, könnten die Notenbanken ihre Geldpolitik länger restriktiv halten. Entspannt sich der Preisdruck deutlich, würde sich dagegen auch der Spielraum für niedrigere Leitzinsen vergrößern.

Für Bauzinsen bleibt zusätzlich der Anleihemarkt entscheidend. Selbst eine Pause der EZB würde deshalb nicht automatisch niedrigere Finanzierungskosten für Immobilien bedeuten.

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