
Borussia Mönchengladbach steht nach einem Fehlstart in die neue Bundesliga-Saison früh unter erheblichem sportlichem Druck. Nach vier Niederlagen aus vier Spielen und dem Trainerwechsel zu Alexander Blessin sieht der frühere Gladbacher Profi Stefan Effenberg seinen Ex-Klub vor einer schwierigen Saison. Besonders kritisch beurteilt der SPORT1-Experte die Situation der jungen Spieler im Kader.
Effenberg äußerte sich am Sonntag im „Doppelpass“ bei SPORT1. Seine Aussagen sind persönliche sportliche Einschätzungen und keine Stellungnahmen des Vereins. Borussia Mönchengladbach selbst hatte Alexander Blessin bereits am 22. September als neuen Cheftrainer bestätigt. Der 53-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2028. Eugen Polanski war schon am 13. September nach drei Niederlagen zum Saisonstart von seinen Aufgaben entbunden worden.
Effenberg machte im „Doppelpass“ deutlich, dass er die aktuelle Situation für ernst hält. Es werde für Borussia Mönchengladbach „verdammt schwierig“, sagte der frühere Nationalspieler. Als einen wesentlichen Grund sieht er die Verunsicherung innerhalb der Mannschaft.
Der frühere Gladbach-Profi verwies dabei insbesondere auf die beiden Heimniederlagen gegen die SV Elversberg und den 1. FSV Mainz 05. Beide Partien gingen mit 3:4 verloren. Für Effenberg sind solche Spielverläufe ein Hinweis darauf, wie wenig Stabilität die Mannschaft derzeit besitzt.
Auch bei den erfahrenen Spielern sieht der SPORT1-Experte Probleme. In einer solchen Lage brauche eine Mannschaft Führungsspieler, erklärte Effenberg. Kapitän Tim Kleindienst und Torhüter Moritz Nicolas könnten solche Rollen grundsätzlich übernehmen, würden aus seiner Sicht derzeit aber nicht die nötige Stabilität ausstrahlen. Das ist Effenbergs persönliche Bewertung der sportlichen Situation.
Besonders deutlich wurde Effenberg bei der Zusammensetzung der Mannschaft. Borussia hatte im Sommer verstärkt auf jüngere Spieler gesetzt, die sportlich entwickelt werden und langfristig auch wirtschaftlichen Wert schaffen sollen.
Diese Strategie hält Effenberg unter den aktuellen Umständen für riskant. Junge Spieler in einer derart ausgeprägten Drucksituation weiterentwickeln zu wollen, bezeichnete er als „brandgefährlich“. Seine Kritik richtete sich damit nicht unmittelbar gegen Alexander Blessin, sondern gegen die Schwierigkeit, eine entwicklungsorientierte Kaderstrategie mit akutem Abstiegskampf zu verbinden.
Auch der frühere Bundesliga-Manager Sven Mislintat äußerte sich in derselben Sendung kritisch zur Lage. Nach seiner Einschätzung sei von dem im Sommer geplanten Konzept bereits früh in der Saison einiges verloren gegangen. Auch dabei handelte es sich um eine Expertenmeinung und nicht um eine offizielle Bewertung von Borussia Mönchengladbach.
Die Grundlage für die Sorgen ist eindeutig: Borussia Mönchengladbach hat nach vier Spieltagen noch keinen Punkt. Mit vier Niederlagen und einem Torverhältnis von 6:16 steht der Klub auf dem 18. Tabellenplatz. Union Berlin liegt mit einem Punkt davor, der Hamburger SV hat auf Rang 16 drei Zähler.
Vier Niederlagen in den ersten vier Bundesliga-Spielen hatte Gladbach zuvor erst einmal erlebt, in der Saison 2015/16. Damals gelang anschließend allerdings noch eine außergewöhnliche Wende bis auf Platz vier. Aus dem historischen Vergleich lässt sich für die aktuelle Mannschaft keine Prognose ableiten.
Blessin übernimmt damit eine Mannschaft, bei der vor allem die defensive Stabilität schnell verbessert werden soll. Bei seiner Vorstellung machte der neue Trainer deutlich, dass er der Mannschaft grundsätzlich mehr zutraut und insbesondere an Disziplin, Geschlossenheit und defensiver Ordnung arbeiten will.
Borussia hat Blessin bewusst mit einem längerfristigen Vertrag bis 2028 ausgestattet. Sportchef Rouven Schröder stellte den neuen Trainer bei dessen Verpflichtung nicht als kurzfristige Notlösung dar. Blessin soll die Mannschaft stabilisieren und zugleich weiterentwickeln.
Ein erstes Testspiel unter dem neuen Trainer gewann Gladbach mit 3:0 gegen den Regionalligisten Sportfreunde Siegen. Aussagekraft für die Bundesliga besitzt dieses Ergebnis nur eingeschränkt. Blessins erstes Ligaspiel als Borussia-Trainer ist nach der Länderspielpause das Derby beim 1. FC Köln am 11. Oktober.
Effenberg traut Gladbach trotz seiner deutlichen Kritik grundsätzlich den Klassenerhalt zu. Nach seiner Einschätzung werde es dabei jedoch sehr eng. Auch diese Aussage bleibt eine persönliche Prognose des SPORT1-Experten und keine Feststellung über den weiteren Saisonverlauf.
Auch der frühere Nationalspieler Kevin Großkreutz beschäftigte sich in seinem Podcast „Großkreutz & Küpper – Viertelstunde Fußball“ mit der Lage in Mönchengladbach. In der am 25. September veröffentlichten Folge wurden die vier Niederlagen, die Verpflichtung Blessins und die Frage thematisiert, ob der neue Trainer die Wende schaffen könne oder die Probleme des Klubs tiefer lägen.
Eine belastbare wörtliche Aussage, mit der Großkreutz Blessin persönlich die Eignung für die Aufgabe abspricht, ist in den zugänglichen Originalinformationen nicht dokumentiert. Eine solche Zuspitzung lässt sich deshalb nicht als gesicherte Aussage des Weltmeisters von 2014 übernehmen.
Für Blessin bleibt die Ausgangslage unabhängig von den Expertenmeinungen anspruchsvoll: Borussia steht punktlos am Tabellenende, die Defensive hat in vier Spielen 16 Gegentore zugelassen und die Mannschaft muss nach dem frühen Trainerwechsel schnell Stabilität finden. Die kommenden Bundesliga-Spiele werden zeigen, wie schnell die vom neuen Trainer angekündigten Veränderungen greifen.






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