Milliardenauftrag entscheidet mit über Zukunft des Mercedes-Werks

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Zukunft des Mercedes-Benz-Werks in Ludwigsfelde bleibt ungeklärt. Eine mögliche Übernahme des Standorts durch den deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS kommt nach Informationen des Handelsblatts derzeit nicht entscheidend voran. Hintergrund ist demnach ein noch ausstehender Großauftrag der Bundeswehr für Radpanzer des Typs Boxer. Das Beschaffungsvorhaben wird unter dem Projektnamen Arminius geführt.

Nach Darstellung der Zeitung sind Mercedes-Benz und KNDS bei ihren Gesprächen bereits weit vorangekommen. KNDS soll demnach Interesse daran haben, das Werk zu übernehmen oder zumindest einen Teil der Produktionskapazitäten zu nutzen. Eine offizielle Bestätigung für eine bereits erzielte Einigung zwischen beiden Unternehmen lag zunächst nicht vor.

KNDS erklärte dem Handelsblatt zum Projekt Arminius, die Industrie habe ein Angebot eingereicht und befinde sich in Gesprächen mit dem Kunden. Über Zeitplan und Vergabe entscheide dieser. Mercedes-Benz erklärte gegenüber der Zeitung, Ziel sei weiterhin eine zukunftsfähige Lösung für Ludwigsfelde.

Arminius soll Tausende Boxer für die Bundeswehr umfassen

Der mögliche Einstieg von KNDS ist eng mit dem erwarteten Ausbau der militärischen Fahrzeugproduktion verbunden. Beim Projekt Arminius geht es um eine umfangreiche Beschaffung von Boxer-Radfahrzeugen für die Bundeswehr. Der Boxer wird gemeinschaftlich von KNDS und Rheinmetall produziert.

Wie groß das finanzielle Volumen werden könnte, zeigen Angaben von Rheinmetall. Der Konzern hatte im März 2026 für Arminius ein Gesamtpotenzial von rund 37,5 Milliarden Euro bis 2035 genannt. Damals erwartete Rheinmetall einen ersten festen Auftrag mit einem Volumen von rund 12,5 Milliarden Euro bereits im zweiten oder dritten Quartal 2026. Im September führte das Unternehmen Arminius weiterhin unter seinen wichtigsten künftigen Projekten auf.

Bei einer Investorenkonferenz Anfang August konkretisierte Rheinmetall-Chef Armin Papperger die Dimension des Angebots. Für Rheinmetall allein nannte er einen festen Vertragsanteil von rund 12,4 Milliarden Euro sowie zusätzliche Optionen in erheblicher Milliardenhöhe. Damit gehört Arminius zu den größten geplanten Beschaffungsvorhaben für das deutsche Heer.

Ein entsprechender Großauftrag könnte zusätzliche Produktionskapazitäten erforderlich machen. Genau hier kommt Ludwigsfelde ins Spiel. Nach Informationen des Handelsblatts wäre das Mercedes-Werk für KNDS vor allem dann interessant, wenn das erwartete Auftragsvolumen tatsächlich realisiert wird. Bei deutlich geringeren Stückzahlen könnte der Bedarf an zusätzlichen Kapazitäten kleiner ausfallen. Eine endgültige Entscheidung über die Nutzung des Standorts gibt es bislang nicht.

Gespräche über Ludwigsfelde laufen seit Monaten

Über ein Interesse von KNDS an dem Mercedes-Standort war bereits im Mai bekannt geworden. Reuters berichtete damals unter Berufung auf den Spiegel über Gespräche zur möglichen Übernahme von Produktionsstandorten aus der Automobilindustrie, darunter Ludwigsfelde. KNDS selbst bestätigte damals nicht, mit welchen Unternehmen konkret verhandelt werde. Der Konzern erklärte lediglich, wegen des geplanten Hochlaufs der Rüstungsproduktion nach geeigneten Partnern zu suchen.

Damit bleibt auch Ende September offen, welche Form eine Zusammenarbeit annehmen könnte. Neben einer vollständigen Übernahme kommt nach dem aktuellen Handelsblatt-Bericht auch eine Nutzung einzelner Produktionskapazitäten infrage. Ein abgeschlossener Kaufvertrag wurde von den beteiligten Unternehmen bislang nicht bekannt gegeben.

Auch im Brandenburger Landtag beschäftigt die Zukunft des Werks inzwischen die Politik. Auf der Tagesordnung des zuständigen Wirtschaftsausschusses stehen sowohl die mittel- und langfristige Perspektive der Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH als auch ausdrücklich der Stand möglicher Übernahmepläne durch KNDS.

Mercedes baut sein europäisches Van-Netz um

Die Unsicherheit in Ludwigsfelde hängt mit dem Umbau der Transporterproduktion von Mercedes-Benz zusammen. Der Konzern richtet sein internationales Produktionsnetz auf neue Van-Architekturen aus. Investitionen in die nächste Fahrzeuggeneration konzentrieren sich unter anderem auf Düsseldorf, das spanische Vitoria und Jawor in Polen.

In Ludwigsfelde werden derzeit die offenen Varianten von Sprinter und eSprinter gefertigt. Dabei handelt es sich unter anderem um Fahrgestelle, die später mit unterschiedlichen Aufbauten versehen werden können. Mercedes-Benz weist auf seiner aktuellen Standortseite rund 1.600 Beschäftigte aus und beschreibt das Werk als Standort, der sich derzeit umfassend in Transformation befindet.

Bereits 2022 hatte Mercedes angekündigt, Ludwigsfelde zusätzlich als Kompetenzzentrum für individuelle Umbauten elektrischer Transporter zu entwickeln. Zugleich wurde die neue Generation der Van-Plattform auf andere Werke verteilt. Die längerfristige industrielle Perspektive für Ludwigsfelde blieb dadurch zunehmend offen.

Entscheidung über Bundeswehr-Auftrag wird zum Schlüsselfaktor

Für KNDS ist die Suche nach zusätzlichen Kapazitäten Teil eines breiteren Produktionsausbaus. Die stark gestiegenen europäischen Verteidigungsausgaben haben die Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen erhöht. Mit Arminius könnte sich dieser Ausbau noch einmal deutlich beschleunigen.

Für Ludwigsfelde entsteht damit eine ungewöhnliche Verbindung zweier industrieller Entwicklungen. Mercedes strukturiert seine Transporterproduktion neu, während die europäische Rüstungsindustrie zusätzliche Fertigungskapazitäten sucht.

Ob daraus tatsächlich ein Eigentümerwechsel des Werks entsteht, ist jedoch noch nicht entschieden. Offiziell bestätigt ist bislang weder ein Kaufvertrag noch eine endgültige Standortentscheidung von KNDS. Der aktuelle Stand zeigt aber, warum die Bundeswehr-Beschaffung für Ludwigsfelde eine zentrale Rolle spielt: Ohne Klarheit über Volumen und Zeitpunkt des Arminius-Auftrags fehlt KNDS eine wesentliche Grundlage für die Planung zusätzlicher Produktionskapazitäten.

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