Wasserpest im Münsterland: Wie eine unscheinbare Pflanze Seen lahmlegt

Wasserpest im Münsterland: Wie eine unscheinbare Pflanze Seen lahmlegt
Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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Münsterland. Sie heißt harmlos „Wasserpest“, ist biologisch unter dem Namen Elodea bekannt – und entwickelt sich in vielen Gewässern des Münsterlandes zur echten Belastung. Besonders betroffen ist derzeit der Emssee in Warendorf: Die invasive Pflanze breitet sich dort so stark aus, dass der See für Freizeitaktivitäten zeitweise unbrauchbar ist. Doch das Problem endet nicht dort. Auch andere Seen und Flüsse in der Region sind potenziell gefährdet – oder zeigen bereits ähnliche Entwicklungen.

Emssee Warendorf: Wenn ein See untergrünt

Seit drei Jahren kämpft die Stadt Warendorf gegen die Wasserpest im Emssee – bisher erfolglos. Im Sommer 2025 ist die Situation eskaliert: Die Wasserpflanze wuchert flächendeckend, erreicht Längen von bis zu zwei Metern und bildet dichte grüne Teppiche bis zur Oberfläche. Wassersport, Angeln oder Modellbootfahren sind unmöglich. Die Pflanze verdrängt andere Arten, senkt den Sauerstoffgehalt und bedroht das ökologische Gleichgewicht.

Die Ursache? Wahrscheinlich eine Kombination aus hohen Nährstoffwerten, stehender Gewässerstruktur und sommerlicher Hitze. Wie die Elodea ursprünglich in den See gelangte, bleibt unklar.

Mähboot im Einsatz – Ehrenamt rettet die Mahd

Um dem Problem Herr zu werden, hat die Stadt erneut ein Mähboot gechartert. Ehrenamtliche des Warendorfer Wassersportvereins, insbesondere Ralf Seidel und Ralf Reckersdrees, steuern das sechs Tonnen schwere Gefährt über den See. Sie schneiden die Pflanzen ab, sammeln sie ein und bringen sie ans Ufer. Schon am ersten Tag ist der erste Container gefüllt – ein Rekordwert im Vergleich zu den Vorjahren.

Die Stadt übernimmt die Kosten von rund 40.000 Euro für Boot und Logistik. Eine langfristige Lösung, etwa ein eigenes Mähboot (Kosten: 160.000–200.000 Euro), ist aus Sicht des Vereins nötig – bislang fehlt jedoch eine politische Entscheidung.

Keine Einzelfall: Auch andere Seen betroffen

Der Emssee ist aktuell das sichtbarste Beispiel – doch im Münsterland gibt es weitere Gewässer, in denen sich Wasserpest ausbreitet oder sich ähnliche ökologische Störungen zeigen:

Hiltruper See (Münster)

Auch im Hiltruper See wurde Elodea mehrfach beobachtet. Die Stadt Münster bewertet die Pflanze dort bislang als ökologisch unkritisch, weil sie Teil eines stabilen Gleichgewichts sei. Allerdings mehren sich in heißen Sommern auch hier die Klagen über eingeschränkte Nutzbarkeit – die Sichttiefe sinkt, Boote fahren durch Pflanzenteppiche.

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Aasee Münster

Im Aasee ist nicht die Wasserpest das Problem, sondern Blaualgen (Cyanobakterien). Diese treten regelmäßig bei hohen Temperaturen auf und können giftig sein. In den Jahren 2018 und 2024 kam es zu erheblichen Beeinträchtigungen durch Algenblüten. Die Stadt reagierte mit Maßnahmen wie Phosphatbindung, Röhrichtinseln und dem Besatz mit Zander und Hecht – aber nicht mit Mahd.

Werse und Nebenarme

Die Werse gilt als relativ stabil, doch auch dort sind Veränderungen spürbar. Angler und Naturschützer melden gelegentlich starkes Algenwachstum in heißen Wochen. Konkrete Maßnahmen oder Warnungen gab es 2025 bislang nicht – doch Monitoring und Renaturierungsprojekte (z. B. am Wehr Sudmühle) laufen.

Ems (Ost-Münsterland)

Die Ems selbst war bereits 2016 Ziel massiver Kritik, weil sie im Sommer an vielen Stellen „grün und schleimig“ erschien. Ursachen waren auch hier hohe Temperaturen, Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und begradigte, wenig beschattete Ufer.

Warum ist die Wasserpest so problematisch?

Die kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) ist eine ursprünglich in Nordamerika beheimatete Unterwasserpflanze. Sie gelangte über den Aquarienhandel nach Europa und verbreitet sich heute vor allem über Wasservögel, Angelzubehör oder Gartenweiher. Sie wächst extrem schnell – bei idealen Bedingungen bis zu 20 Zentimeter pro Woche – und bildet dichte, zusammenhängende Bestände am Seegrund und in der Wassersäule.

Ökologisch kann das verheerend sein: Die Pflanze verdrängt heimische Arten, verringert die Sauerstoffkonzentration im Wasser, stört den Stoffkreislauf und erhöht das Risiko eines „Umkippens“ des Gewässers.

Kommunale Strategien: Reaktiv statt präventiv

Viele Städte und Gemeinden im Münsterland reagieren derzeit mit punktuellen Eingriffen wie Mähbooten oder biologischem Monitoring. Langfristige Strategien – etwa strukturelle Umgestaltungen, Reduktion von Nährstoffeinträgen oder die gezielte Förderung von Raubfischen – bleiben oft Wunschdenken. Zu hoch sind die Kosten, zu komplex die Zuständigkeiten.

In Warendorf ist der Druck mittlerweile so groß, dass ehrenamtliches Engagement die einzige Lösung ist, um den See nutzbar zu halten. Doch klar ist: Eine echte Perspektive braucht mehr als Freiwillige mit Schichtplan.

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