
Munich Re senkt Umsatzprognose für das laufende Jahr und reagiert damit auf den zunehmenden Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft. Der Dax-Konzern erwartet 2026 nun einen Versicherungsumsatz von rund 62 Milliarden Euro statt bislang 64 Milliarden Euro. Das Gewinnziel bleibt dagegen unverändert: Munich Re rechnet weiterhin mit einem Konzernergebnis von 6,3 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal verdiente der Rückversicherer deutlich mehr als von Analysten erwartet.
Die Korrektur betrifft vor allem die Rückversicherung. Dort erwartet der Konzern für 2026 jetzt einen Versicherungsumsatz von 38 Milliarden Euro. Zuvor waren 40 Milliarden Euro angepeilt worden. Für den Gesamtkonzern sinkt die Prognose entsprechend von 64 auf 62 Milliarden Euro. Die übrigen Ziele für das laufende Geschäftsjahr bleiben bestehen. Besonders wichtig für die Bewertung der Zahlen ist, dass Munich Re die Gewinnerwartung von 6,3 Milliarden Euro nicht reduziert hat. 2025 hatte der Konzern bei 60,4 Milliarden Euro Versicherungsumsatz einen Nettogewinn von 6,1 Milliarden Euro erzielt.
Auslöser für die niedrigere Umsatzprognose ist die Entwicklung bei den Vertragserneuerungen zum 1. Juli. Die risikobereinigten Preise gingen gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent zurück. Nominal betrug der Rückgang 4,4 Prozent, hinzu kam ein Effekt aus der veränderten Zusammensetzung des Geschäfts. Über die drei großen Erneuerungsrunden des bisherigen Jahres ergibt sich laut Munich Re ein risikobereinigtes Preisminus von 3,1 Prozent.
Zugleich reduzierte Munich Re das gezeichnete Geschäftsvolumen bei der Juli-Runde um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Konzern verzichtete nach eigenen Angaben gezielt auf Verträge, bei denen Preise oder Bedingungen die eigenen Renditeanforderungen nicht erfüllten. Vertragsbedingungen und Strukturen seien weitgehend stabil geblieben. Vorstandschef Christoph Jurecka bezeichnete das Marktumfeld trotz der niedrigeren Preise weiterhin als attraktiv.
Die Rückversicherung befindet sich nach mehreren Jahren kräftiger Preiserhöhungen in einer Phase zunehmenden Wettbewerbs. Zusätzliche Kapazitäten im klassischen Rückversicherungsmarkt und im alternativen Kapitalmarkt, etwa über Katastrophenanleihen, erhöhen den Preisdruck. Branchenanalysen verweisen zugleich darauf, dass sich die Preise von einem zuvor sehr hohen Niveau aus abschwächen. Munich Re selbst spricht ebenfalls von einem Preisrückgang von einem hohen Ausgangsniveau.
Besonders deutlich wird die Strategie des Konzerns beim Geschäftsvolumen. Munich Re will nicht um jeden Preis Marktanteile verteidigen. In mehreren Bereichen wurde Geschäft bewusst reduziert, wenn die erwartete Profitabilität nicht ausreichte. Nach Angaben des Unternehmens beschleunigte sich der Preisrückgang bei der Juli-Erneuerung gegenüber der April-Runde jedoch nicht weiter.
Operativ verlief das zweite Quartal für Munich Re sehr profitabel. Der Nettogewinn stieg von 2,085 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 2,211 Milliarden Euro. Analysten hatten im Mittel lediglich rund 1,786 Milliarden Euro erwartet. Im gesamten ersten Halbjahr erreichte der Konzern einen Rekordgewinn von 3,925 Milliarden Euro nach 3,178 Milliarden Euro ein Jahr zuvor.
Der Versicherungsumsatz lag im zweiten Quartal bei 14,939 Milliarden Euro nach 14,775 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Zusätzlich profitierte Munich Re von einem starken Kapitalanlageergebnis. Dieses erhöhte sich im Quartal von 2,187 auf 3,159 Milliarden Euro. Die Erstversicherungstochter Ergo steuerte 321 Millionen Euro zum Quartalsgewinn bei, nach 251 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Ein wesentlicher Ergebnisfaktor waren die geringen Großschäden. In der Schaden- und Unfallrückversicherung belief sich die Belastung im zweiten Quartal nach Rückversicherungseffekten und vor Steuern auf 191 Millionen Euro. Das entsprach nur 4,9 Prozent des Nettoversicherungsumsatzes. Munich Re kalkuliert langfristig mit einer Großschadenquote von 18 Prozent.
Naturkatastrophen verursachten im zweiten Quartal Großschäden von 54 Millionen Euro für Munich Re, nach 20 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Auf menschengemachte Großschäden entfielen 137 Millionen Euro. Schon im ersten Quartal war die Großschadenbelastung außergewöhnlich niedrig gewesen. Damals lagen allein die Großschäden aus Naturkatastrophen bei 55 Millionen Euro. Die günstige Schadenentwicklung hat damit wesentlich zum hohen Halbjahresgewinn beigetragen.
An der Börse überwog am Freitag die Sorge über die sinkenden Rückversicherungspreise. Zeitweise verlor die Munich-Re-Aktie deutlich stärker, im Xetra-Handel begrenzte sie ihre Verluste bis zum Schluss jedoch. Der Schlusskurs lag bei 515,40 Euro und damit 1,38 Prozent unter dem Vortagesschluss von 522,60 Euro. Die zeitweise gemeldeten Kursverluste von rund drei Prozent bezogen sich somit auf den Verlauf des Handelstages und nicht auf den Xetra-Schluss.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit ebenfalls an Wert verloren. Auf Basis der Xetra-Daten lag das Minus am Freitag bei rund 8,3 Prozent. Die Handelsspanne des bisherigen Jahres reichte von 437,40 bis 572,60 Euro. Damit entwickelt sich die Aktie 2026 bislang schwächer als nach dem starken Kursanstieg der vorangegangenen Jahre.
Bei den Analysten steht vor allem die weitere Entwicklung der Rückversicherungspreise im Mittelpunkt. Die UBS bestätigte am Freitag ihre Einstufung „Neutral“ mit einem Kursziel von 515 Euro. Analyst Will Hardcastle bewertete die Ergebnisse der Juli-Vertragserneuerung als schwächer als von ihm erwartet.
JPMorgan blieb dagegen bei „Overweight“ und einem Kursziel von 590 Euro. Analyst Kamran Hossain verwies darauf, dass die Ergebnisentwicklung künftig schwieriger werden dürfte, während die bereits vorab veröffentlichten Quartalskennzahlen positiv überrascht hätten. Jefferies bestätigte „Hold“ mit einem Kursziel von 600 Euro und hob unter anderem den Ergebnisbeitrag von Ergo sowie die hohe Solvabilitätsquote von 304 Prozent hervor. Die Bewertungen stellen Einschätzungen der jeweiligen Analysehäuser dar und sind keine Gewähr für die weitere Kursentwicklung.
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