
Der US-Arbeitsmarktbericht Juli 2026 ist deutlich schwächer ausgefallen als erwartet und hat an den Finanzmärkten dennoch für steigende Aktienkurse gesorgt. Außerhalb der Landwirtschaft gingen im Juli 23.000 Stellen verloren. Ökonomen hatten im Durchschnitt mit 80.000 zusätzlichen Jobs gerechnet. Zugleich wurden die Beschäftigungszahlen der beiden Vormonate deutlich nach unten korrigiert. Anleger werteten die Zahlen vor allem als Argument gegen eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank Fed bereits im September.
Das US-Arbeitsministerium meldete für Juli einen Rückgang der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 23.000 Stellen. Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate waren noch 34.000 neue Jobs pro Monat entstanden. Besonders stark sank die Beschäftigung im Bildungsbereich der Kommunen mit rund 50.000 Stellen. Im Einzelhandel gingen etwa 19.000 Arbeitsplätze verloren, im Finanzsektor 14.000. Das Gesundheitswesen schuf dagegen 22.000 zusätzliche Stellen.
Auch die Revisionen der vorangegangenen Monate fielen deutlich aus. Für Mai wurde der Stellenzuwachs von ursprünglich 129.000 auf 63.000 korrigiert. Für Juni blieben statt der zunächst gemeldeten 57.000 zusätzlichen Stellen nur noch 20.000. Zusammengenommen lag die Beschäftigung in Mai und Juni damit um 103.000 Stellen niedriger als zuvor angegeben. Der durchschnittliche Stellenaufbau der vergangenen drei Monate sank dadurch auf lediglich rund 20.000 pro Monat.
Die Arbeitslosenquote ging gleichzeitig von 4,2 auf 4,1 Prozent zurück. Dieser Rückgang bedeutet jedoch nicht, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt grundsätzlich verbessert hat. Rund 264.000 Menschen verließen nach Berechnungen auf Basis der Haushaltsbefragung im Juli den Arbeitsmarkt. Die Erwerbsquote sank auf 61,4 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Anfang 2021.
Bei den Löhnen ließ der Druck ebenfalls nach. Der durchschnittliche Stundenlohn in der Privatwirtschaft erhöhte sich gegenüber Juni lediglich um zwei Cent auf 37,62 Dollar. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres lagen die Stundenlöhne noch 3,2 Prozent höher. Im Juni hatte die jährliche Wachstumsrate nach revidierten Daten bei 3,4 Prozent gelegen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb mit 34,3 Stunden unverändert.
An den Börsen lösten die enttäuschenden Zahlen zunächst steigende Kurse aus. Dahinter steht ein Mechanismus, der an den Finanzmärkten häufig als paradoxe Reaktion auf schwache Konjunkturdaten auftritt. Ein nachlassender Arbeitsmarkt verringert den Spielraum der Fed, die Zinsen zur Bekämpfung der Inflation weiter anzuheben. Niedrigere beziehungsweise länger unveränderte Zinsen können Finanzierungskosten für Unternehmen begrenzen und erhöhen zugleich den heutigen Wert erwarteter künftiger Unternehmensgewinne.
Vor Veröffentlichung des Berichts rechneten Marktteilnehmer noch mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 55 bis 57 Prozent mit einer Zinserhöhung bei der nächsten Fed-Sitzung im September. Anschließend sank die eingepreiste Wahrscheinlichkeit auf etwa 40 bis 44 Prozent. Eine unveränderte Fed-Rate wurde damit zum wahrscheinlicheren Szenario. Die Notenbank hatte ihren Leitzinskorridor Ende Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen.
Eine Zinssenkung ist daraus allerdings nicht automatisch abzuleiten. Die Fed muss neben der Beschäftigung weiterhin die Inflation berücksichtigen. Neue Inflationszahlen dürften deshalb erheblichen Einfluss darauf haben, wie sich die Erwartungen bis zur September-Sitzung entwickeln.
Besonders deutlich reagierte der Anleihemarkt. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen, die empfindlich auf Erwartungen zur Geldpolitik reagiert, sank im Tagesverlauf um rund fünf Basispunkte auf etwa 4,20 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Treasuries gab um etwa zwei Basispunkte auf 4,64 Prozent nach. Direkt nach Veröffentlichung des Berichts waren die Rückgänge zeitweise noch größer.
Auch der Dollar verlor an Wert. Der Dollarindex sank zeitweise um rund 0,3 Prozent auf 99,61 Punkte. Ein geringerer erwarteter Zinsvorteil der USA kann die Attraktivität der US-Währung gegenüber anderen Währungen verringern.
Gold profitierte zugleich vom schwächeren Dollar und den fallenden Anleiherenditen. Der Preis für eine Feinunze lag zeitweise rund 2,6 Prozent höher bei etwa 4.414 Dollar. Auf Wochensicht summierte sich der Anstieg auf fast sieben Prozent. Gold hatte damit den höchsten Stand seit rund sechs Wochen erreicht.
Am US-Aktienmarkt gehörten insbesondere Technologieunternehmen zu den Gewinnern. Der Nasdaq lag am Freitagmittag in New York rund 1,3 Prozent höher. Auch der S&P 500 legte zu. Die Kursreaktion spiegelte vor allem die Hoffnung wider, dass die Fed angesichts der schwächeren Beschäftigung nicht zusätzlich auf die Konjunkturbremse treten wird.
Diese Reaktion hat allerdings Grenzen. Ein dauerhaft schwacher Arbeitsmarkt wäre für Aktien nicht automatisch positiv. Weniger Beschäftigung kann Konsum, Unternehmensumsätze und Wirtschaftswachstum belasten. Peter Graf von Amova Asset Management warnte deshalb sinngemäß davor, die günstigeren geldpolitischen Aussichten isoliert zu betrachten, wenn zugleich immer weniger Menschen beschäftigt sind.
Unter Ökonomen fällt die Bewertung des Berichts differenziert aus. Mehrere Experten verwiesen darauf, dass die US-Beschäftigungszahlen in den Sommermonaten wiederholt ungewöhnlich schwach ausgefallen seien und saisonale Verzerrungen eine Rolle spielen könnten. Allein im kommunalen Bildungsbereich gingen im Juli knapp 50.000 Stellen verloren. Ein Teil dieses Rückgangs könnte sich deshalb in den kommenden Daten wieder umkehren.
Zugleich sind die schwachen Vormonatsrevisionen ein Hinweis darauf, dass die Dynamik des Arbeitsmarkts bereits seit mehreren Monaten nachgelassen hat. Stephen Stanley von Santander bezeichnete den Arbeitsmarkt dennoch weiterhin als grundsätzlich stabil. Andere Ökonomen sprechen von einer Phase mit wenig Neueinstellungen, aber zugleich vergleichsweise wenigen Entlassungen.
Uneinigkeit besteht vor allem über die Konsequenzen für die Fed. Während unter anderem Goldman Sachs Asset Management den Juli-Bericht als zusätzliches Argument für eine Zinspause im September bewertet, hält die Bank of America trotz der schwachen Beschäftigungszahlen an der Erwartung weiterer Zinserhöhungen fest. Ausschlaggebend dafür sei aus ihrer Sicht das weiterhin bestehende Inflationsrisiko.
Der Juli-Bericht verschiebt damit das kurzfristige Kräfteverhältnis für die Fed. Der Arbeitsmarkt liefert weniger Argumente für eine schnelle weitere Straffung der Geldpolitik. Ob daraus tatsächlich eine Zinspause im September wird, hängt nun wesentlich davon ab, wie sich Inflation, Beschäftigung und Konjunktur bis zur nächsten Entscheidung entwickeln.
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