
US-Präsident Donald Trump hat Israels Premier Benjamin Netanjahu am Sonntag, dem 14. Juni 2026, ungewöhnlich offen für einen israelischen Angriff auf die südlichen Vororte von Beirut kritisiert. Öffentlich schrieb Trump auf Truth Social, der Angriff auf Beirut hätte nicht stattfinden dürfen, gerade an einem Tag, an dem ein Friedensdeal mit Iran so nah sei. Er forderte Israel, die Hisbollah und alle weiteren Beteiligten auf, Angriffe einzustellen. Reuters zitierte Trump mit der Aussage, alle Seiten sollten sich zurückhalten, weil ein Abkommen sehr nah sei.
Nach Angaben des Portals Axios fand Trump in einem internen Gespräch deutlich härtere Worte. Dort soll er erklärt haben, der israelische Premier zeige absolut kein Urteilsvermögen. Trump verwies darauf, dass der Angriff die geplante Unterzeichnung eines US-Iran-Deals um Stunden verzögert habe. Zugleich machte er deutlich, dass er das Abkommen weiter für möglich halte. Diese Aussagen markieren eine ungewöhnlich offene öffentliche Distanzierung zwischen Washington und Jerusalem.
Auslöser der Eskalation war nach israelischer Darstellung ein Angriff der Hisbollah auf Nordisrael. Das israelische Militär erklärte, die Hisbollah habe drei Geschosse auf israelisches Gebiet abgefeuert. Israel wertete dies als klaren Verstoß gegen eine Waffenruhe und griff anschließend Ziele der Hisbollah im Stadtteil Dahiyeh in den südlichen Vororten Beiruts an. Eine gemeinsame Erklärung von Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz nannte den Angriff eine Reaktion auf den Beschuss israelischen Gebiets.
Nach Angaben der libanesischen staatlichen Nachrichtenagentur, auf die sich Reuters berief, wurden bei dem Angriff zunächst zwei Menschen getötet und vier weitere verletzt. In einer weiteren Reuters-Meldung war unter Berufung auf den libanesischen Zivilschutz von drei Toten die Rede. Israel sprach von einem präzisen Angriff auf ein Hisbollah-Kommandozentrum. Die unterschiedlichen Angaben zu den Opferzahlen ließen sich zunächst nicht unabhängig zusammenführen.
Netanjahu selbst erklärte nach dem Angriff auf X, Israel werde Beschuss seines Territoriums nicht tolerieren. Nach Reuters reagierte Israel nicht auf die Darstellung eines nicht namentlich genannten Diplomaten, der die israelischen Angriffe als Versuch bezeichnet hatte, die US-Iran-Verhandlungen zu sabotieren. Zugleich hält Israel nach bisherigen Aussagen an seiner militärischen Handlungsfreiheit im Libanon fest.
Aus Israel gab es laut Times of Israel zudem Berichte über Bestürzung in Regierungskreisen über Trumps öffentliche Kritik. Ein israelischer Regierungsvertreter aus dem Umfeld Netanjahus bezeichnete Trumps Aussage demnach als deutliche politische Ohrfeige. Der Bericht verwies zugleich auf die Sorge in Jerusalem, ein US-Iran-Abkommen könne Israels militärischen Spielraum im Libanon deutlich einschränken. Eine offizielle ausführliche Stellungnahme des Netanjahu-Büros zu Trumps Axios-Kritik lag zunächst nicht vor.
Zur israelischen Darstellung des Angriffs auf ein Hisbollah-Kommandozentrum gab es nach Reuters zunächst keine direkte Stellungnahme der Hisbollah. Die Miliz erklärte jedoch, sie habe Raketen und Drohnen auf israelische Truppen im Süden des Libanon abgefeuert. Damit bestätigte sie eigene militärische Aktionen, ohne die israelische Begründung für den Schlag in Beirut unmittelbar zu übernehmen.
Die Lage im Libanon bleibt damit ein zentraler Streitpunkt der größeren regionalen Verhandlungen. Reuters berichtet, Iran habe ein Ende der Kämpfe im Libanon seit Längerem zu einem wichtigen Bestandteil seiner Forderungen für eine breitere Einigung mit den USA gemacht. Die Hisbollah lehnt nach Reuters Verhandlungen ab, die keinen vollständigen Stopp der Feindseligkeiten und keinen israelischen Rückzug aus Südlibanon umfassen.
Aus Teheran kamen am Sonntag deutliche Warnungen. Der iranische Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte laut Reuters, der israelische Angriff zeige, dass die USA entweder nicht willens oder nicht in der Lage seien, ihre Verpflichtungen zu erfüllen. Axios zitierte ihn ähnlich mit dem Vorwurf, Washington könne nicht zugleich Zugeständnisse verlangen und Israel grünes Licht geben.
Zugleich drohten iranische Militärvertreter mit einer Reaktion. Axios berichtete unter Berufung auf iranische Angaben, ein hochrangiger Militärvertreter habe erklärt, der Angriff werde nicht unbeantwortet bleiben. Reuters zitierte die iranische Seite mit der Formulierung, der Finger sei am Abzug. Wie konkret diese Drohungen waren und ob sie die geplante Unterzeichnung tatsächlich stoppen würden, blieb zunächst offen.
Der geplante Deal zwischen den USA und Iran war nach übereinstimmenden Berichten für Sonntag erwartet worden. Axios meldete bereits am Samstag, die USA, Iran sowie Vermittler aus Pakistan und Katar sollten ein Memorandum of Understanding elektronisch unterzeichnen. Es soll die Waffenruhe um 60 Tage verlängern, die Straße von Hormus wieder öffnen und Verhandlungen über das iranische Atomprogramm starten. Trump hatte zuvor auf Truth Social geschrieben, der Deal solle am Sonntag unterzeichnet werden.
Reuters berichtete am Sonntag jedoch, Teheran habe bereits vor dem Angriff Zweifel am genauen Zeitpunkt der Unterzeichnung erkennen lassen. Die iranische Seite habe erklärt, die Unterzeichnung werde nicht zwingend am Sonntag erfolgen, könne aber in den kommenden Tagen stattfinden. Zugleich reisten katarische Unterhändler nach Teheran, um an der Finalisierung zu arbeiten. Unklar blieb zunächst, ob Trump eine direkte Zusicherung aus Teheran erhalten hatte, dass die Unterzeichnung trotz der Eskalation weiter auf Kurs bleibt.
Nach Reuters umfasst der Entwurf des Memorandums mehrere Punkte. Iran soll die Straße von Hormus sofort für Handelsschiffe öffnen. Die USA sollen ihre Seeblockade iranischer Häfen nach Unterzeichnung beginnen aufzuheben und dies binnen 30 Tagen abschließen. Außerdem sieht der Entwurf vor, dass Washington keine neuen Sanktionen verhängt, zeitweise Ölsanktionen aussetzt und 25 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Vermögen freigibt.
Beim Atomprogramm sieht der Entwurf laut Reuters vor, dass Iran keine Atomwaffen herstellt oder erwirbt und den aktuellen Stand seines Programms bis zu einem umfassenderen Abkommen nicht ausweitet. Die weiteren Fragen zur Urananreicherung und zum Umgang mit hochangereichertem Uran sollen innerhalb von 60 Tagen verhandelt werden. Trump kritisiert Netanjahu deshalb auch vor dem Hintergrund, dass Washington den Deal als möglichen Schritt zu einer regionalen Deeskalation versteht.
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