
Der TSV 1860 München geht in die Vorbereitung auf die Regionalliga Bayern, doch die Personalie Sigurd Haugen bleibt ein Symbol für das sportliche und juristische Durcheinander an der Grünwalder Straße. Der Wechsel des norwegischen Stürmers zum 1. FC Nürnberg galt nach übereinstimmenden Medienberichten als weit fortgeschritten. Offiziell abgeschlossen ist die Sache aber offenbar noch nicht, weil 1860 die Wechselfreigabe nach AZ-Informationen bislang nicht erteilt habe.
Damit bleibt eine der wichtigsten Personalien rund um den Lizenzentzug weiter in der Schwebe. Für die Junglöwen geht es schon am Montagnachmittag mit dem Trainingsauftakt los, der Haugen-Vollzug ist dagegen offen.
Nach Darstellung der Abendzeitung hängt der Wechsel Haugens nach Nürnberg nicht mehr an sportlichen Fragen, sondern an der offenen Gemengelage rund um den Lizenzentzug. Investor Hasan Ismaik soll die Entscheidung angefochten haben. Deshalb bekomme Haugen, der in der abgelaufenen Drittligasaison 16 Tore erzielte, noch keine Freigabe vom TSV 1860.
Für den 1. FC Nürnberg wäre der Mittelstürmer sportlich ein klarer Zugriff: Haugen bringt Tempo, Tiefgang und Abschlussstärke mit. Nach Berichten aus Nürnberg sei der Medizincheck bereits Thema gewesen, auch ein Vertrag beim Club soll vorbereitet beziehungsweise bereits verhandelt worden sein. Solange die Freigabe aus München fehlt, bleibt der Vollzug aber offen.
Haugen war im Sommer 2025 von Aarhus GF zu 1860 gekommen. Sein Vertrag lief nach früheren AZ-Informationen bis Sommer 2027. Eine klassische Ausstiegsklausel für einen Sommerwechsel soll es demnach nicht gegeben haben. Durch den Zwangsabstieg und die nicht erfüllten wirtschaftlichen Bedingungen hat sich die Lage aber grundlegend verändert.
Mehrere Berichte gehen davon aus, dass Verträge von Profis ohne Regionalliga-Gültigkeit nicht mehr wie geplant greifen könnten. Genau an dieser Schnittstelle wird die Causa kompliziert: Für Nürnberg wäre ein ablösefreier Wechsel attraktiv, für die Münchner beziehungsweise die KGaA ist die Frage der Vertrags- und Freigabesituation dagegen auch wirtschaftlich relevant. Offizielle Vertragsdetails, die über die bekannten Eckdaten hinausgehen, wurden nicht veröffentlicht.
Der sportliche Neustart der Löwen beginnt am Montag mit U21-Trainer Alper Kayabunar. Der Verein hat angekündigt, mit einer gemischten Gruppe aus U21-Spielern für die Saison 2026/27 und Profis mit gültigem Regionalliga-Vertrag zu starten. Spieler aus dem Profikader ohne gültigen Vertrag für die Regionalliga befänden sich weiter im Urlaub.
Damit fehlen beim Auftakt auch prominente Namen der vergangenen Saison. Laut AZ zählen Kevin Volland und Florian Niederlechner nicht zu den Gesichtern des ersten Neustarts. Ein endgültiger Abgang Vollands wurde öffentlich zunächst nicht belastbar bestätigt. Klar ist aber: Der Kader, der im Vorjahr noch für den Aufstieg zusammengestellt worden war, zerfällt Stück für Stück.
Ein konkretes Saisonziel für die Regionalliga Bayern hat 1860 bislang nicht seriös ausgerufen. Nach dem Verlust der Drittliga-Zulassung, dem Ausstieg des Hauptsponsors und den offenen Rechtsfragen geht es zunächst darum, den Spielbetrieb zu sichern und eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufzubauen. Geschäftsführer Manfred Paula hatte angekündigt, alle Energie in einen schlagkräftigen Regionalliga-Kader stecken zu wollen. Präsident Gernot Mang verwies in der Vereinskommunikation auf satzungs- und verbandsrechtliche Grenzen. Eine aktuelle öffentliche Stellungnahme von Christian Werner oder Markus Niemczewski speziell zur Freigabe Haugens lag zunächst nicht vor.
Für 1860 ist die Personalie Haugen deshalb mehr als ein Transferdetail. Sie zeigt, wie eng sportlicher Umbruch, Vertragsfragen und der Machtkampf um die Zukunft des Vereins ineinandergreifen. Nürnberg könnte einen 16-Tore-Stürmer bekommen. Die Löwen verlieren dagegen wohl ihren wichtigsten Angreifer, aber noch nicht einmal dieser Abgang ist geräuschlos zu Ende gebracht.
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