
Ein hochsensitiver Bluttest könnte künftig dabei helfen, verbliebene Tumorspuren bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs genauer zu erkennen. In einer prospektiven Studie wies das Verfahren deutlich häufiger zirkulierende Tumor-DNA nach als ein breiter angelegter genetischer Standardtest. Die Ergebnisse erlauben jedoch noch keine unmittelbaren Änderungen der Behandlung. Der Test wurde weder als Vorsorgeuntersuchung für Gesunde geprüft noch ist er ein zugelassenes Verfahren für ein allgemeines Screening.
Untersucht wurde ein Verfahren namens digitale Tröpfchen-Polymerase-Kettenreaktion, kurz ddPCR. Es sucht im Blut nach kleinsten Mengen zirkulierender Tumor-DNA, die von Krebszellen in den Blutkreislauf abgegeben wird. Die Forscher konzentrierten sich auf die KRAS-Mutationen G12D, G12V und G12R. Veränderungen im KRAS-Gen spielen bei mehr als 90 Prozent der duktalen Adenokarzinome der Bauchspeicheldrüse eine Rolle.
Bei der ddPCR wird eine Blutprobe in zahlreiche winzige Reaktionsräume aufgeteilt. Dadurch lassen sich einzelne mutierte DNA-Abschnitte erkennen, auch wenn sie nur in sehr geringer Menge vorhanden sind. Das Vergleichsverfahren, eine tumorunabhängige Next-Generation-Sequenzierung, kurz NGS, untersucht dagegen zahlreiche Gene gleichzeitig. Diese größere Bandbreite kann jedoch zulasten der Empfindlichkeit für einzelne Mutationen gehen.
An der Studie nahmen 106 Patienten mit lokal begrenztem duktalem Pankreasadenokarzinom teil. Sie wurden an mehreren Standorten des Northwestern-Medicine-Netzwerks in den USA behandelt. Alle erhielten zunächst eine Chemotherapie vor der geplanten Operation. Blutproben wurden zwischen Oktober 2020 und Oktober 2024 vor Behandlungsbeginn, nach der Chemotherapie und nach der Operation gesammelt.
Zum Zeitpunkt der Diagnose fand die ddPCR bei 64,9 Prozent der auswertbaren Patienten KRAS-mutierte Tumor-DNA im Blut. Mit dem NGS-Verfahren gelang dies bei 17,2 Prozent. In der Mitteilung der Northwestern University werden diese Werte gerundet mit 65 und 17 Prozent angegeben.
Auch nach der Behandlung blieb der Unterschied deutlich. Nach der Chemotherapie erkannte die ddPCR bei rund 60 Prozent Tumor-DNA, während das NGS-Verfahren bei etwa 5 Prozent ein entsprechendes Signal lieferte. Nach der Operation lagen die Nachweisraten bei rund 56 beziehungsweise 9 Prozent. Die Zahlen vergleichen ausschließlich die beiden genetischen Analyseverfahren. Sie bedeuten nicht, dass der Bluttest bildgebende Untersuchungen oder die feingewebliche Diagnostik ersetzen kann.
Die Forscher untersuchten außerdem, ob die Messergebnisse mit dem weiteren Krankheitsverlauf zusammenhingen. Patienten, bei denen beide Verfahren Tumor-DNA fanden, hatten ab der Diagnose ein medianes Gesamtüberleben von 10,9 Monaten. Waren beide Tests negativ, lag der Median bei 40,7 Monaten.
Eine zusätzliche Gruppe wurde vom empfindlicheren ddPCR-Test erkannt, obwohl der NGS-Test negativ geblieben war. Für diese Patienten ermittelte das Team ein medianes Gesamtüberleben von 26,9 Monaten. Die ddPCR unterschied damit weitere Risikogruppen, die mit der weniger empfindlichen Analyse nicht erkennbar gewesen waren.
Diese Werte sind statistische Gruppenvergleiche. Ein Median beschreibt den Zeitpunkt, zu dem die Hälfte der jeweiligen Patientengruppe noch lebte. Er lässt keine zuverlässige Vorhersage für einen einzelnen Patienten zu. Zudem zeigt die Studie lediglich einen Zusammenhang zwischen nachweisbarer Tumor-DNA und ungünstigeren Ergebnissen. Sie belegt nicht, dass eine auf dem Testergebnis beruhende zusätzliche Behandlung das Überleben verlängert.
Ein empfindlicherer Test ist besonders bei Bauchspeicheldrüsenkrebs von Interesse, weil lokal begrenzte Tumoren und kleine verbliebene Tumormengen häufig nur wenig DNA in den Blutkreislauf abgeben. Ein negatives Ergebnis bedeutet deshalb nicht automatisch, dass keine Krebszellen mehr vorhanden sind.
Umgekehrt ist auch ein positiver Nachweis nicht mit einem bereits bildlich sichtbaren Rückfall gleichzusetzen. Die Tumor-DNA kann ein Hinweis auf eine sogenannte molekulare Resterkrankung sein, also auf Krebszellen, die nach einer Behandlung im Körper verblieben sein könnten. Wann und bei welchen Patienten aus einem solchen Signal ein klinisch erkennbarer Rückfall entsteht, muss in weiteren Studien untersucht werden.
Die Studie befasste sich zudem nicht mit der Früherkennung bei Menschen ohne bekannte Krebserkrankung. Nach Angaben des US-amerikanischen National Cancer Institute existiert weiterhin kein allgemein anwendbarer Screeningtest, der Bauchspeicheldrüsenkrebs zuverlässig vor dem Auftreten von Beschwerden erkennt.
Die Teilnehmerzahl von 106 Patienten ist für eine Biomarkerstudie aussagekräftig, reicht aber nicht aus, um ein neues Standardverfahren einzuführen. Die Patienten wurden ausschließlich innerhalb eines US-amerikanischen Gesundheitssystems behandelt. Untersucht wurde außerdem nur das duktale Adenokarzinom in einem lokal begrenzten Stadium und nicht die gesamte Bandbreite bösartiger Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse.
Der ddPCR-Test erfasste gezielt drei häufige KRAS-Varianten. Tumoren mit anderen genetischen Veränderungen können deshalb trotz vorhandener Krebszellen negativ bleiben. Offen ist außerdem, welche therapeutische Konsequenz aus einem positiven Ergebnis gezogen werden sollte und ob frühere oder intensivere Behandlungen den Krankheitsverlauf tatsächlich verbessern.
Die Studienautoren fordern daher eine Bestätigung in größeren Untersuchungen mit mehreren voneinander unabhängigen Krebszentren. Notwendig wären auch Studien, in denen Behandlungsentscheidungen kontrolliert an den Testergebnissen ausgerichtet werden. Erst dann ließe sich beurteilen, ob die höhere Nachweisrate einen messbaren Nutzen für Patienten bringt.
Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut erkrankten 2023 in Deutschland etwa 19.900 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Im selben Jahr starben nach Daten des Statistischen Bundesamtes rund 19.400 Menschen an der Erkrankung. Für Männer und Frauen weist das Robert Koch-Institut derzeit eine relative Fünfjahresüberlebensrate von jeweils etwa 11 Prozent aus.
Diese Rate beschreibt die Überlebenswahrscheinlichkeit einer großen Bevölkerungsgruppe im Vergleich zu Menschen gleichen Alters und Geschlechts ohne die jeweilige Krebserkrankung. Sie ist keine persönliche Prognose. Der individuelle Verlauf hängt unter anderem vom Tumorstadium, der biologischen Beschaffenheit des Tumors, der Möglichkeit einer Operation, dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem Ansprechen auf die Behandlung ab.
Die Bedeutung von KRAS und anderen RAS-Veränderungen wurde auch beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology 2026 deutlich. Dort wurden Ergebnisse der internationalen Phase-III-Studie RASolute 302 vorgestellt und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht.
In der Studie wurden 500 Patienten mit bereits vorbehandeltem metastasiertem duktalem Pankreasadenokarzinom zufällig einer Behandlung mit dem RAS-Hemmer Daraxonrasib oder einer weiteren Chemotherapie zugeteilt. Das mediane Gesamtüberleben lag bei 13,2 Monaten mit Daraxonrasib und bei 6,7 Monaten in der Chemotherapiegruppe.
Diese Ergebnisse betreffen eine andere Patientengruppe als die Northwestern-Blutteststudie. Daraxonrasib wurde bei metastasiertem Krebs nach einer vorausgegangenen Behandlung geprüft. Die ctDNA-Analyse wurde dagegen bei lokal begrenzter Erkrankung rund um Chemotherapie und Operation untersucht. Ein direkter Nutzen der Kombination beider Ansätze ist bislang nicht belegt.
Daraxonrasib war am 20. Juli 2026 noch kein regulär zugelassenes Medikament. In den USA war ein erweitertes Zugangsprogramm für bestimmte Patienten erlaubt worden. Bei der US-Arzneimittelbehörde FDA lief die Vorbereitung einer beschleunigten Prüfung, während die Europäische Arzneimittel-Agentur Anfang Juli ein schrittweises Prüfverfahren eingeleitet hatte. Auch hier handelt es sich deshalb noch nicht um eine allgemein verfügbare Standardtherapie.
Der neue Bluttest liefert damit vor allem ein wichtiges Forschungssignal. Er kann sehr geringe Mengen mutierter Tumor-DNA häufiger erkennen und möglicherweise Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko genauer unterscheiden. Ob diese zusätzlichen Informationen auch zu besseren Behandlungsentscheidungen und längeren Überlebenszeiten führen, müssen weitere klinische Studien zeigen.
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