
Die Wahl von General Carsten Breuer an die Spitze des NATO-Militärausschusses löst in Berlin eine Personaldebatte aus. Verteidigungspolitiker und der Deutsche Bundeswehrverband drängen Verteidigungsminister Boris Pistorius auf eine zügige Entscheidung über die Nachfolge. Eine wichtige Klarstellung: Der Posten des Generalinspekteurs ist derzeit nicht vakant. Breuer bleibt Generalinspekteur der Bundeswehr und soll seine Aufgaben nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis zu seinem Wechsel zur NATO weiter wahrnehmen.
Die Generalstabschefinnen und Generalstabschefs der 32 NATO-Staaten wählten Breuer am 19. September 2026 bei ihrer Konferenz in Kopenhagen zum nächsten Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses. Nach Angaben der NATO soll er das Amt im Sommer 2027 übernehmen. Die Amtszeit ist auf drei Jahre angelegt. Bis dahin führt der italienische Admiral Giuseppe Cavo Dragone das höchste militärische Gremium des Bündnisses.
Breuer steht seit dem 17. März 2023 an der Spitze der Bundeswehr. Er folgte auf General Eberhard Zorn, der im März 2023 in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur führte Breuer das Territoriale Führungskommando der Bundeswehr. Bekannt wurde er zuvor auch als Leiter des Corona-Krisenstabs im Bundeskanzleramt.
Damit entsteht die erwartete Lücke an der Spitze der Bundeswehr nicht durch eine Entlassung oder einen überraschenden Rücktritt. Sie ergibt sich aus Breuers bevorstehendem Wechsel in die NATO-Funktion. Das Verteidigungsministerium teilte nach seiner Wahl mit, sein Fokus bleibe bis zum Wechsel uneingeschränkt auf seinen Aufgaben als Generalinspekteur gerichtet.
Trotzdem wächst der politische Druck auf Pistorius, die Personalfrage frühzeitig zu klären. Thomas Röwekamp von der CDU, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestages, warnte in einem Gespräch mit dem Spiegel vor einer längeren Hängepartie an der Spitze der Bundeswehr. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage solle der Minister die Nachfolge rasch regeln.
Auch Agnieszka Brugger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen und Mitglied des Verteidigungsausschusses, forderte nach dem Bericht eine schnelle Entscheidung. Sie verwies auf die großen Aufgaben, vor denen Breuers Nachfolger stehen werde. Der Deutsche Bundestag führt Brugger als ordentliches Mitglied des Verteidigungsausschusses und als stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion.
Die Forderungen bedeuten allerdings nicht, dass die militärische Führung der Bundeswehr derzeit ungeklärt wäre. Breuer ist weiterhin im Amt. Umstritten ist vielmehr der Zeitplan für die Nachfolge und die Frage, wie viel Zeit für Einarbeitung und Übergabe vorgesehen werden soll.
Auch der Deutsche Bundeswehrverband drängt auf Tempo. Verbandschef André Wüstner erklärte nach Breuers Wahl, eine zügige Entscheidung über die Nachfolge sei für die Bundeswehr von großer Bedeutung. Je früher die Einweisung und Übergabe an den künftigen Amtsinhaber erfolgen könne, desto besser. Der Verband verwies dabei auf anstehende Entscheidungen zur Feinstruktur der Streitkräfte und auf die laufende Transformation der Bundeswehr.
Der Einwand richtet sich damit vor allem gegen eine Personalentscheidung erst kurz vor Breuers Wechsel im Sommer 2027. In mehreren Medienberichten heißt es unter Berufung auf den Spiegel, Pistorius wolle Breuer bis nahe an den Wechseltermin im Amt halten. Das Ministerium hat öffentlich erklärt, dass Breuer seine Aufgaben als Generalinspekteur bis zum Wechsel weiter wahrnehmen soll. Einen konkreten Termin für die Übergabe oder die Ernennung eines Nachfolgers nannte es zunächst nicht.
Der Generalinspekteur ist der ranghöchste Soldat der Bundeswehr und militärischer Berater der Bundesregierung. Nach dem Osnabrücker Erlass des Verteidigungsministeriums ist er für die Führung der Streitkräfte, die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung sowie die Planung und Weiterentwicklung der Bundeswehr verantwortlich. Damit bündelt das Amt zentrale militärische Führungsaufgaben.
Die Personalentscheidung fällt zugleich in eine Phase umfassender Veränderungen. Die Bundeswehr richtet sich wieder stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung aus. Der Aufbau neuer Strukturen, die personelle Vergrößerung der Streitkräfte, die Modernisierung von Material und Infrastruktur sowie die Umsetzung der NATO-Fähigkeitsziele gehören zu den zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Der künftige Generalinspekteur wird diese Prozesse militärisch mitsteuern.
Wer Breuer nachfolgt, ist offiziell noch nicht bekannt. In Medienberichten wird unter anderem Generalleutnant Christian Freuding, seit Oktober 2025 Inspekteur des Heeres, als möglicher Kandidat genannt. Reuters berichtete nach Breuers NATO-Wahl, Freuding werde als Nachfolger erwartet. Auch die dpa bezeichnete ihn als möglichen Kandidaten. Eine offizielle Bestätigung durch das Verteidigungsministerium lag zunächst nicht vor.
Für Pistorius geht es deshalb nicht um die sofortige Besetzung eines bereits leeren Postens, sondern um die rechtzeitige Vorbereitung eines Führungswechsels. Breuer bleibt vorerst Generalinspekteur der Bundeswehr. Spätestens mit seinem Wechsel an die Spitze des NATO-Militärausschusses im Sommer 2027 muss die militärische Führung in Berlin neu geordnet sein.
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