
Autofahrer in Deutschland zahlen für Diesel so viel wie noch nie. Der Dieselpreis auf Rekordhoch trifft dabei auf eine überraschende Gegenbewegung am Rohölmarkt: Brent ist seit Mittwoch deutlich billiger geworden. Entspannung an der Zapfsäule bedeutet das zunächst jedoch nicht. Gleichzeitig hat die US-Notenbank erstmals seit mehr als drei Jahren ihren Leitzins erhöht.
Ein Liter Diesel kostete am Mittwoch, 16. September, im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,453 Euro. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem April um 0,6 Cent übertroffen. Grundlage sind Daten des ADAC. Auch Super E10 blieb auf Rekordniveau und erreichte im Tagesdurchschnitt 2,314 Euro je Liter.
Damit hat sich Diesel innerhalb kurzer Zeit besonders stark verteuert. Noch in der ADAC-Auswertung vom Mittwochmittag lag der Durchschnittswert auf Basis des Vortages bei 2,422 Euro. Das waren bereits 10,1 Cent mehr als eine Woche zuvor.
Bei einzelnen Autobahntankstellen lagen die Preise noch erheblich höher. An der A8 in Baden-Württemberg wurde am Mittwoch zeitweise ein Dieselpreis von mehr als drei Euro je Liter registriert. Solche Werte sind allerdings nicht mit dem bundesweiten Durchschnitt vergleichbar.
Parallel dazu hat sich die Lage am Rohölmarkt zumindest kurzfristig entspannt. Brent-Rohöl verlor am Mittwoch rund 2,7 Prozent und schloss bei etwa 105,83 Dollar je Barrel. US-Öl der Sorte WTI gab um 3,2 Prozent nach. Im Tagesverlauf waren die Ausschläge zeitweise noch größer.
Ein wesentlicher Grund war die Aussicht auf zusätzliche Lieferungen aus Saudi-Arabien. Das Land begann, Rohöl über Schiff-zu-Schiff-Transfers am omanischen Hafen Sohar bereitzustellen. Damit sollen Einschränkungen ausgeglichen werden, die nach dem Ausfall der saudischen East West Pipeline und Problemen am Exportstandort Yanbu entstanden waren.
Zusätzlich hatte US-Energieminister Chris Wright erklärt, die wichtige Pipeline könne möglicherweise innerhalb weniger Tage teilweise wieder genutzt werden. Eine vollständige Wiederinbetriebnahme war am Donnerstagvormittag jedoch nicht bestätigt. Auch am Donnerstag setzte sich der Ölpreisrückgang zunächst fort. Brent lag zeitweise bei rund 104,74 Dollar je Barrel.
Sinkende Rohölpreise schlagen nicht unmittelbar auf die deutschen Tankstellenpreise durch. Neben dem Preis für Rohöl spielen Raffineriekapazitäten, Transportkosten, verfügbare Kraftstoffmengen, der Euro-Dollar-Kurs und die Margen entlang der Lieferkette eine Rolle.
Gerade bei Diesel ist die internationale Versorgung derzeit angespannt. Reuters berichtet von Engpässen bei raffinierten Produkten infolge eingeschränkter Lieferungen aus dem Nahen Osten und Störungen bei russischen Raffinerien. Dadurch kann sich Diesel unabhängig vom kurzfristigen Brent-Preis verteuern.
Auch der ADAC hatte bereits vor Erreichen des neuen Dieselrekords darauf hingewiesen, dass Rohölpreis und Wechselkurs das hohe deutsche Kraftstoffpreisniveau nur teilweise erklären.
Der aktuelle Rekord ist zudem ein nominaler Höchststand. Unter Berücksichtigung der Inflation waren Kraftstoffe in Deutschland in früheren Phasen bereits stärker belastend für die Kaufkraft.
Für zusätzliche Bewegung an den Finanzmärkten sorgte am Mittwochabend die US-Notenbank. Die Federal Reserve erhöhte die Zielspanne für den Federal Funds Rate einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Fed begründete den Schritt mit weiterhin erhöhter Inflation.
Es war die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit 2023. Die Entscheidung stärkte zunächst den Dollar und ließ kurzfristige US-Anleiherenditen steigen. Gleichzeitig stabilisierten sich längere Laufzeiten nach dem jüngsten Ausverkauf am Anleihemarkt.
An den europäischen Aktienmärkten überwogen am Donnerstagmorgen zunächst die Kursgewinne. Der DAX lag nach Reuters-Daten um 10.05 Uhr deutscher Zeit rund 0,5 Prozent im Plus. Zum Handelsstart war der deutsche Leitindex sogar um rund 0,8 Prozent auf 25.746 Punkte gestiegen.
Unterstützung kam dabei nicht allein von der Fed-Entscheidung. Auch die fallenden Ölpreise und die Beruhigung am Anleihemarkt verbesserten die Stimmung an den europäischen Börsen. Besonders Reise- und Autowerte profitierten zeitweise von den niedrigeren Energiekosten.
Für Verbraucher bleibt vorerst dennoch ein deutlicher Gegensatz bestehen: Während der Rohölpreis nach den jüngsten Höchstständen zurückkommt, sind die Folgen der vorherigen Energiepreissprünge an deutschen Tankstellen weiterhin sichtbar.






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