
Mit GPT-5.5 hat OpenAI am 23. April 2026 sein bislang leistungsfähigstes KI-Modell veröffentlicht. Intern trägt das Modell den Codenamen Spud und soll laut Unternehmen 60 Prozent weniger Halluzinationen produzieren als der erst sechs Wochen zuvor erschienene Vorgänger GPT-5.4. OpenAI positioniert das neue Modell als Werkzeug für autonomes Arbeiten – es soll mehrstufige Aufgaben in den Bereichen Softwareentwicklung, Datenanalyse und Wissensarbeit selbstständig abarbeiten, ohne dass Nutzer jeden Schritt einzeln anstoßen müssen.
In standardisierten Leistungstests schneidet das neue Modell deutlich besser ab als seine Vorgänger. GPT-5.5 erreicht 88,7 Prozent auf dem Softwareentwicklungs-Benchmark SWE-bench und 92,4 Prozent auf MMLU, einem breiten Wissenstest aus Hunderten Fachgebieten. OpenAI gibt an, dass die Modelle von Konkurrenten wie Google und Anthropic bei diesen Tests hinter GPT-5.5 zurückliegen. Besonders ausgeprägt sind die Stärken beim sogenannten Agentic Coding – also dem eigenständigen Schreiben, Testen und Debuggen von Code –, aber auch bei Wissensarbeit und frühen wissenschaftlichen Anwendungen.
Neu ist zudem die Fähigkeit, unklare oder unvollständige Aufgaben zu verarbeiten. Das Modell erkennt lückenhafte Anweisungen und liefert dennoch strukturierte Ergebnisse. Es kann eigenständig online recherchieren, Daten auswerten und Dokumente erstellen – alles innerhalb eines einzigen Arbeitsauftrags. OpenAI bezeichnet dies als eine neue Klasse von Intelligenz für reale Arbeit.
Das Modell steht ab sofort für zahlende ChatGPT-Nutzer in den Tarifen Plus, Pro, Business und Enterprise zur Verfügung. Gleichzeitig wird es in Codex eingebunden, OpenAIs Plattform für autonome Programmieraufgaben, die unter anderem auf NVIDIA-Infrastruktur betrieben wird. Für Nutzer des kostenlosen Tarifs ist GPT-5.5 zunächst nicht verfügbar. Den API-Zugang für Entwickler plant OpenAI nach eigenen Angaben für die nahe Zukunft; zum Release-Zeitpunkt stand er noch nicht bereit.
Erst wenige Tage vor der Veröffentlichung hatte OpenAI noch mit größeren technischen Problemen zu kämpfen: Ein weitreichender OpenAI-Ausfall hatte am 20. April tausende Nutzer betroffen. Mit der Ankündigung von GPT-5.5 setzt das Unternehmen nun einen deutlich anderen Akzent.
Mit der neuen Leistungsklasse steigen auch die Kosten für Entwickler erheblich. Der API-Preis beläuft sich auf fünf Dollar pro Million Input-Tokens und 30 Dollar pro Million Output-Tokens – damit verdoppeln sich die Preise gegenüber GPT-5.4, das bei 2,50 beziehungsweise 15 Dollar lag. Die Pro-Variante des Modells ist noch teurer: Sie kostet 30 Dollar pro Million Input-Tokens und 180 Dollar pro Million Output-Tokens.
OpenAI begründet die Preiserhöhung mit den gestiegenen Rechenanforderungen – betont gleichzeitig aber, dass das Modell bei vergleichbaren Aufgaben weniger Token verbraucht als sein Vorgänger. Unter dem Strich sollen die Kosten für typische Unternehmensanwendungen daher trotz höherer Stückpreise nicht proportional steigen.
GPT-5.5 erschien genau eine Woche nach dem jüngsten Modell von Anthropic – ein Zeitpunkt, der kaum zufällig wirkt. OpenAI soll sich seit Ende 2025 in einem internen Ausnahmezustand befunden haben, nachdem Anthropic und Google insbesondere im Unternehmensbereich deutlich Boden gutgemacht hatten. Mit den neuen Benchmark-Ergebnissen beansprucht OpenAI nun wieder die Führungsposition in der KI-Entwicklung für sich.
Das Modell steht für eine strategische Neuausrichtung: weg von rechenintensiven kreativen Anwendungen, hin zu produktiven, unternehmensfähigen Agents. Ob Befreundet mit einer KI – wie das ZDF kürzlich in einem Dokumentarformat zeigte – bald zur alltäglichen Realität wird, hängt auch davon ab, wie schnell Modelle wie GPT-5.5 breiten Zugang finden.
Quellen: OpenAI, TechCrunch, CNBC, Fortune, The Decoder, Axios
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