
Die Heizölpreise in Deutschland sind erneut kräftig gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt kosteten 100 Liter Heizöl am Mittwoch, 16. September 2026, um 16:59 Uhr 178,71 Euro bei einer Abnahme von 3.000 Litern. Das waren nach Angaben des Preisportals esyoil 3,51 Euro oder zwei Prozent mehr als am Vortag. Innerhalb einer Woche verteuerte sich Heizöl demnach um 15,9 Prozent.
Hinter dem Anstieg stehen vor allem die weiterhin angespannte Versorgung am internationalen Ölmarkt und neue Probleme bei Exporten aus Saudi-Arabien. Nach Angriffen auf die wichtige Ost-West-Pipeline wurden Rohöllieferungen nach Europa gekürzt. Zugleich bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus infolge des anhaltenden Nahost-Konflikts stark eingeschränkt.
Die saudische Ost-West-Pipeline verbindet die Ölfelder im Osten des Landes mit dem Exporthafen Yanbu am Roten Meer. Sie hatte zuletzt zusätzliche Bedeutung gewonnen, weil Saudi-Arabien damit einen Teil seiner Exporte an der Straße von Hormus vorbeileiten konnte. Nach Drohnenangriffen wurde die Leitung außer Betrieb genommen. Reuters zufolge droht dadurch zeitweise ein Ausfall von Mengen, die bis zu rund vier Prozent des weltweiten Ölangebots entsprechen können.
Die Folgen sind inzwischen auch bei europäischen Raffinerien angekommen. Saudi-Arabien sagte beziehungsweise verschob nach Angaben aus dem Ölhandel einzelne für Ende September vorgesehene Lieferungen. Der polnische Energiekonzern Orlen teilte am Mittwoch mit, 16 zusätzliche Rohölladungen aus anderen Lieferländern beschafft zu haben, um Ausfälle saudischer Mengen auszugleichen.
Saudi-Arabien versucht zugleich, die Auswirkungen abzufedern. Zusätzliche Ölmengen werden über Schiff-zu-Schiff-Verladungen vor dem omanischen Hafen Sohar angeboten. Außerdem wurden die Verladungen an saudischen Häfen innerhalb des Persischen Golfs erhöht.
Die Aussicht auf zusätzliche Lieferungen über Oman sorgte am Mittwoch für eine gewisse Entspannung an den Rohölmärkten. Brent-Rohöl fiel laut Reuters am 16. September auf 105,83 US-Dollar je Barrel, ein Minus von 2,7 Prozent. Die US-Sorte WTI sank um 3,1 Prozent auf 102,51 US-Dollar je Barrel.
Am Dienstag hatte sich die Lage noch in die andere Richtung bewegt. Brent war am 15. September bei 108,75 US-Dollar je Barrel aus dem Handel gegangen. Hintergrund waren unter anderem die ausgefallenen Verladungen in Yanbu und gestrichene saudische Lieferungen nach Europa.
Für Verbraucher wirkt eine Entspannung am Rohölmarkt nicht zwangsläufig sofort auf die Heizölpreise. Entscheidend sind neben Rohöl auch die Preise für Gasöl, Raffineriekapazitäten, Transportkosten, Wechselkurse und die regionale Nachfrage.
Bereits zu Wochenbeginn hatte HeizOel24 festgestellt, dass Heizöl in Deutschland wieder den höchsten Stand seit dem Krisenjahr 2022 erreicht hatte. Am 14. September lag der bundesweite Durchschnitt dort noch bei 166,43 Euro je 100 Liter. Zwei Tage später weist esyoil bereits 178,71 Euro aus. Die Vergleichswerte beziehen sich jeweils auf eine Abnahmemenge von 3.000 Litern und können sich aufgrund unterschiedlicher Datengrundlagen der Portale unterscheiden.
Für einen Haushalt mit einer Bestellung von 3.000 Litern entsprechen 178,71 Euro je 100 Liter rechnerisch Gesamtkosten von rund 5.361 Euro. Regionale Unterschiede sind erheblich. Am 16. September lagen die von esyoil erfassten Durchschnittswerte je nach Bundesland zwischen 173,81 Euro und 185,68 Euro je 100 Liter.
Die Entwicklung erinnert an das Energiekrisenjahr 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Damals führten stark steigende Rohölpreise, Unsicherheit über russische Energielieferungen, knappe Bestände und eine hohe Nachfrage zu extremen Preissprüngen.
Das heutige Niveau ist mit dieser Phase vergleichbar, liegt aber noch unter den damaligen extremen Tagesspitzen. HeizOel24 beziffert einzelne Spitzen des Jahres 2022 auf bis zu etwa 2,15 Euro je Liter. Der aktuelle Bundesdurchschnitt von esyoil entspricht rund 1,79 Euro je Liter.
Auch amtliche Daten zeigen die außergewöhnliche Dimension der damaligen Energiekrise. Das Statistische Bundesamt stellte für März 2022 fest, dass leichtes Heizöl gegenüber März 2021 fast zweieinhalb Mal so teuer geworden war. Solche Preissteigerungen waren zuvor nur in wenigen großen Energiekrisen beobachtet worden.
Die weitere Preisentwicklung hängt wesentlich davon ab, wie schnell die saudische Exportinfrastruktur wieder vollständig genutzt werden kann und wie viel Öl über alternative Wege auf den Weltmarkt gelangt. Gleichzeitig bleibt der Verkehr durch die Straße von Hormus außergewöhnlich niedrig. Am Dienstag wurden dort nach vorläufigen Daten lediglich vier Schiffspassagen registriert, deutlich weniger als im Durchschnitt der vorherigen zehn Tage.
Damit treffen derzeit mehrere Belastungsfaktoren zusammen: eingeschränkte saudische Exportwege, Risiken für wichtige Schifffahrtsrouten und ein ohnehin angespannter Markt für Diesel und andere Mitteldestillate. Ob die Heizölpreise weiter steigen oder sich wieder zurückbilden, lässt sich daraus nicht verlässlich ableiten.






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