
Der Bielefelder Hemden- und Blusenhersteller Seidensticker sucht einen strategischen Investor. Damit könnte sich die Eigentümerstruktur des seit mehr als einem Jahrhundert familiengeführten Unternehmens verändern. Wie groß eine mögliche Beteiligung ausfallen soll, ist allerdings noch nicht entschieden.
Seidensticker bestätigte am 16. September 2026 auf Anfrage von Radio Bielefeld, dass die Suche nach einem strategischen Investor läuft. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmensgruppe weiter zu stärken. Wie viele Unternehmensanteile dabei abgegeben werden könnten, sei noch vollständig offen.
Damit ist derzeit weder ein Verkauf der Unternehmensmehrheit noch eine vollständige Übernahme bestätigt. Ein Branchenbericht vom selben Tag schrieb zwar, die Eigentümerfamilie prüfe einen Verkauf des Unternehmens. Angaben zu möglichen Käufern, zum Umfang einer Transaktion oder zu einem Zeitplan wurden dort jedoch nicht genannt.
Seidensticker wurde 1919 gegründet und befindet sich nach Unternehmensangaben bislang vollständig in Familienbesitz. Eine Unternehmensbroschüre mit Stand Januar 2026 bezeichnet die Gruppe als zu 100 Prozent familiengeführt. Dort werden zudem rund 2.300 Beschäftigte weltweit und mehrere eigene Produktionsstandorte in Asien genannt.
Sollte ein Investor einsteigen, wäre dies deshalb eine grundlegende Veränderung der bisherigen Eigentümerstruktur. Ob die Familie lediglich einen Minderheitsanteil abgeben oder eine weitergehende Beteiligung ermöglichen will, blieb am 16. September 2026 offen.
Die Investorensuche kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem Seidensticker selbst zuletzt von einer stabilen Geschäftsentwicklung gesprochen hatte. Im April 2026 erklärte Markenchefin Silvia Bentzinger gegenüber dem Fachmedium Fashion Today, das zurückliegende Geschäftsjahr habe leichtes Wachstum gebracht. Nach ihren Angaben hätten Retail, Onlinehandel und Wholesale dazu beigetragen. Der Exportanteil der beiden Marken Seidensticker und Studio Seidensticker liege bei rund 30 Prozent.
Bereits im Januar 2026 hatte Bentzinger das Kalenderjahr 2025 als insgesamt stabil bezeichnet. Für das damals laufende Geschäftsjahr erwartete das Unternehmen ein konservatives Wachstum im einstelligen Prozentbereich. Dabei handelte es sich um eine Unternehmensprognose, nicht um ein bereits feststehendes Ergebnis.
Parallel hat Seidensticker sein Geschäft zuletzt in mehreren Bereichen neu ausgerichtet. Im Frühjahr 2026 wurde das Wholesale-Angebot erweitert. Außerdem soll die Damenmode wieder selektiv über Handelspartner angeboten werden. Für den internationalen Vertrieb verpflichtete das Unternehmen zum 1. Mai 2026 einen neuen International Sales Manager.
Konkrete Namen möglicher Investoren waren am Mittwoch nicht bekannt. Ebenso offen blieb, ob bereits Verhandlungen mit Interessenten geführt werden und wann eine Entscheidung fallen könnte.
Fest steht bislang lediglich, dass Seidensticker seine Eigentümerstruktur grundsätzlich für einen strategischen Partner öffnet. Wie weit dieser Schritt reicht, hängt vom weiteren Verlauf des Prozesses ab. Bis zu einer möglichen Transaktion bleibt das Unternehmen vollständig in Familienbesitz.






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