
Bei den insolventen Baumarktketten Hellweg und BayWa Bau & Garten läuft der Abverkauf. In 111 Filialen werden Warenbestände reduziert verkauft. Gleichzeitig entscheidet sich, welche Standorte von Wettbewerbern übernommen werden und welche Märkte bis Ende November schließen müssen. Betroffen ist eine Unternehmensgruppe mit zuletzt rund 4.200 Beschäftigten. Für einen Teil der Belegschaft gibt es inzwischen Perspektiven bei neuen Betreibern.
Hellweg und BayWa Bau & Garten hatten Mitte Juni 2026 Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ende August eröffnete das Amtsgericht Essen die Verfahren. Im anschließenden Investorenprozess zeigte sich, dass das gesamte Filialnetz nicht als Einheit erhalten werden kann. Auch die Zentralen in Dortmund und Garching mit zusammen rund 340 Beschäftigten sollen geschlossen werden.
Als Gründe für die wirtschaftlichen Probleme nannten die Unternehmen unter anderem eine schwache Konsumnachfrage, gestiegene Kosten und Mieten sowie Belastungen durch Lieferengpässe. Die schwierige Baukonjunktur wirkte zusätzlich auf einen Markt, dessen Geschäft stark von Renovierungen, Neubauten und größeren privaten Investitionen abhängt.
Zum Zeitpunkt des Insolvenzverfahrens betrieben die Unternehmen mehr als 110 Märkte in Deutschland. Branchenangaben zufolge umfasste das Portfolio ursprünglich 114 Standorte. Für 35 Märkte zeichnete sich Ende August zunächst eine konkrete Fortführungslösung ab. Für weitere Standorte liefen und laufen Gespräche mit Interessenten.
Seit Anfang September läuft in weiten Teilen des Filialnetzes der Abverkauf. Aktuelle Angaben nennen 111 Hellweg- und BayWa-Bau-&-Garten-Märkte, in denen Warenbestände verkauft werden. Darunter befinden sich Werkzeuge, Baustoffe, Farben, Gartenprodukte, Pflanzen und weitere Sortimente aus den Märkten und Lagern.
Der Räumungsverkauf bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jeder dieser Standorte dauerhaft verschwindet. Auch Märkte, für die bereits ein Käufer gefunden wurde, können vor dem Betreiberwechsel zunächst Bestände abbauen. Neue Eigentümer wollen einige Filialen anschließend umbauen und unter ihrer eigenen Marke neu eröffnen.
Für Standorte ohne gesicherte Fortführung wurden nach Angaben aus dem Eigenverwaltungsverfahren vorsorglich Kündigungen ausgesprochen. Das Unternehmen begründete dies damit, dass noch nicht feststand, für welche Märkte weitere Lösungen gefunden werden können. Hellweg beschäftigte zuletzt rund 2.900 Menschen, BayWa Bau & Garten rund 1.300.
Eine neue Entwicklung bestätigte Hornbach am Freitag, 18. September. Der Baumarktkonzern will sechs bisherige Hellweg-Standorte übernehmen und dort im Frühjahr 2027 neue Hornbach-Märkte eröffnen. Betroffen sind Ahrensfelde, Berlin-Köpenick, Dortmund-Kley, Essen-Borbeck, Freiberg in Sachsen und Sankt Augustin.
Die Vereinbarungen sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Nach Angaben von Hornbach stehen sie unter dem Vorbehalt der Prüfung durch das Bundeskartellamt sowie der gerichtlichen Bestätigung des Insolvenzplans. Über Details zum Kaufpreis machte das Unternehmen in seiner Mitteilung keine Angaben.
Für Hornbach bedeutet die Übernahme eine Erweiterung des deutschen Filialnetzes ohne Neubau an allen sechs Standorten. Das Unternehmen kündigte an, die ehemaligen Hellweg-Märkte nach den erforderlichen Arbeiten im Frühjahr 2027 unter eigener Marke zu eröffnen.
Hornbach ist nicht der einzige Wettbewerber, der Teile des Filialnetzes übernimmt. Obi erhielt Ende August den Zuschlag für mindestens fünf Märkte. Dabei handelt es sich um die Hellweg-Standorte Berlin-Tiergarten, Berlin-Yorckstraße und Münster-Gievenbeck sowie die BayWa-Bau-&-Garten-Märkte Nördlingen und Wolfratshausen. Rund 250 Beschäftigte dieser Standorte sollen nach den damaligen Planungen zum 1. Dezember übernommen werden. Für weitere sieben Märkte wurde Obi als bevorzugter Investor ausgewählt, die Verhandlungen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.
Auch Bauhaus will einen Teil des Netzes übernehmen. Das Unternehmen erhielt den Zuschlag für bis zu sieben Standorte und plant, dort rund 400 Beschäftigte und Auszubildende weiterzubeschäftigen. Vorgesehen sind die Hellweg-Märkte Beckum, Dahlwitz-Hoppegarten, Dortmund-Hacheney, Essen-Rellinghausen, Iserlohn und Potsdam sowie der BayWa-Bau-&-Garten-Standort Backnang. Die Übernahme ist zum 1. Dezember vorgesehen, anschließend sollen die Märkte modernisiert und im Frühjahr 2027 als Bauhaus-Fachcentren eröffnet werden.
Trotz der Übernahmen bleibt nur ein Teil des bisherigen Netzes erhalten. Ende August waren für 18 Hellweg-Filialen und 17 BayWa-Bau-&-Garten-Märkte konkrete Fortführungslösungen bekannt. Weitere Gespräche liefen danach weiter. Märkte ohne Käufer sollen nach den bisherigen Planungen spätestens bis Ende November 2026 schließen.
Damit verändert die Insolvenz auch die Kräfteverhältnisse im deutschen Baumarktgeschäft. Große Wettbewerber wie Obi, Bauhaus und Hornbach können einzelne bestehende Standorte samt Verkaufsflächen und teilweise auch Personal übernehmen, während die Marken Hellweg und BayWa Bau & Garten in ihrer bisherigen Form keine Zukunft mehr haben.
Für die Beschäftigten hängt die Perspektive deshalb stark vom jeweiligen Markt ab. An übernommenen Standorten sollen viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Für Filialen ohne Investor besteht dagegen weiterhin die Aussicht auf eine Schließung bis Ende November.
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