Deutsche Wirtschaft wächst 2026 stärker als lange erwartet

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich innerhalb weniger Monate deutlich aufgehellt. Mehrere führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen inzwischen mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 bis 1,4 Prozent im Jahr 2026. Damit fällt die aktuelle Wachstumsprognose für Deutschland 2026 erheblich günstiger aus als noch zu Beginn des Sommers.

Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet in seiner am Sonntag veröffentlichten Herbstprognose ein Wachstum von knapp 1,2 Prozent. Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kommt auf 1,2 Prozent. Das ifo Institut und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle rechnen sogar mit jeweils 1,4 Prozent.

Hinter der Verbesserung steht allerdings kein breit getragener Boom. Einen erheblichen Teil des Wachstums erklären die Institute mit überraschend starken Exporten im ersten Halbjahr und höheren staatlichen Ausgaben. Die privaten Investitionen bleiben dagegen verhalten, ebenso der Konsum der Haushalte.

Prognosen wurden innerhalb weniger Monate kräftig angehoben

Besonders deutlich fällt die Veränderung beim DIW aus. Im Juni hatte das Institut für 2026 lediglich 0,5 Prozent Wachstum erwartet. In seiner Herbstprognose sind es nun 1,2 Prozent. Nach Angaben des Instituts geht die Korrektur vor allem auf die unerwartet kräftige Exportentwicklung im ersten Halbjahr zurück.

Auch das ifo Institut hat seine Einschätzung deutlich verändert. Es rechnet inzwischen mit 1,4 Prozent Wachstum und damit 0,6 Prozentpunkte mehr als in seiner Sommerprognose. Für 2027 erwartet ifo ein Plus von 1,2 Prozent.

Das IWH erhöhte seine Prognose ebenfalls auf 1,4 Prozent. Noch im Juni hatte es mit 0,9 Prozent gerechnet. Für 2027 erwartet das Hallenser Institut dagegen nur noch 0,8 Prozent Wachstum.

Das IW liegt mit knapp 1,2 Prozent etwas niedriger. Nach dessen Einschätzung erklärt vor allem der gute Verlauf des ersten Halbjahres die höhere Jahresrate. Für 2027 prognostiziert das Institut ein Wachstum von knapp einem Prozent.

Exporte liefern unerwartet starken Wachstumsbeitrag

Ein wichtiger Grund für die besseren Zahlen ist der Außenhandel. Die deutschen Warenexporte entwickelten sich im ersten Halbjahr deutlich besser als zuvor erwartet. Das IW geht für das Gesamtjahr inzwischen von einem realen Exportwachstum von 2,8 Prozent aus. Die Importe sollen um zwei Prozent zulegen.

Auch DIW, ifo und IWH verweisen auf die stärkere Auslandsnachfrage. Die Weltwirtschaft zeigte sich trotz geopolitischer Spannungen widerstandsfähiger als zeitweise angenommen. Davon profitierten unter anderem Teile der deutschen Industrie.

Die Institute warnen allerdings davor, die Exportentwicklung einfach fortzuschreiben. Nach Einschätzung des IW konzentrierten sich die Verbesserungen teilweise auf einzelne Branchen. Zudem könnten Sonder- und Lagerhaltungseffekte auslaufen.

Strukturelle Probleme bleiben bestehen. Dazu zählen hohe Produktionskosten, ein zunehmender Wettbewerbsdruck aus China und protektionistische Maßnahmen im Welthandel.

Staat gibt Milliarden für Infrastruktur und Verteidigung aus

Der zweite große Wachstumstreiber ist die Finanzpolitik. Höhere öffentliche Investitionen sowie zusätzliche Ausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität, Verteidigung und Sicherheit fließen zunehmend in die Wirtschaftsleistung ein.

Das ifo Institut veranschlagt den finanzpolitischen Impuls allein für 2026 auf knapp 40 Milliarden Euro. Auch in den kommenden beiden Jahren sollen zusätzliche staatliche Ausgaben die Konjunktur stützen.

Beim IW zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich beim Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Für 2026 sind nach der Prognose Ausgaben von mehr als 58 Milliarden Euro aus dem auf zwölf Jahre angelegten Sondervermögen vorgesehen. Hinzu kommen höhere Verteidigungsausgaben.

Davon profitieren unter anderem öffentliche Investitionen und Ausrüstungen. Das IW erwartet bei den Ausrüstungsinvestitionen ein Plus von 1,8 Prozent. Investitionen in militärische Ausrüstung haben bereits zur Verbesserung beigetragen.

Die private Investitionstätigkeit bleibt dagegen deutlich schwächer. Hohe Energie- und Finanzierungskosten sowie geopolitische Unsicherheit halten viele Unternehmen weiterhin von größeren Investitionsprojekten ab. Auch der Wohnungsbau bleibt unter Druck.

Privater Konsum bleibt schwach

Von den Haushalten kommt bislang nur wenig zusätzlicher Schwung. Das IW erwartet für 2026 lediglich einen realen Zuwachs des privaten Konsums um 0,3 Prozent. Höhere Energiepreise schmälern die Kaufkraft, zugleich sorgen die schwache Beschäftigungsentwicklung und wirtschaftliche Unsicherheit für Zurückhaltung.

Das Institut rechnet im Jahresdurchschnitt mit rund 200.000 Erwerbstätigen weniger als 2025. Die Arbeitslosenquote soll bei 6,3 Prozent liegen.

Auch das DIW sieht die Binnenwirtschaft weiterhin als vergleichsweise schwach an. Die kräftigere Wachstumszahl bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich die wirtschaftliche Lage in allen Branchen und bei den privaten Haushalten entsprechend verbessert.

Energiepreise bleiben größtes Konjunkturrisiko

Ein zentrales Risiko sehen die Institute weiterhin in den Energiepreisen und den geopolitischen Konflikten im Nahen Osten. Eine erneute Verschärfung könnte Öl- und Gaspreise nach oben treiben, Lieferketten belasten und die Produktion energieintensiver Unternehmen verteuern.

Das ifo Institut verweist zudem auf das Risiko möglicher Versorgungsengpässe. Das DIW nennt neben hohen Gaspreisen auch niedrige Wasserstände auf wichtigen Transportwegen als Belastungsfaktor. Das IW warnt ebenfalls vor Problemen bei Energieversorgung und internationalen Lieferketten.

Weitere Unsicherheit entsteht durch Handelskonflikte und Protektionismus. Gleichzeitig könnte eine schwächere Weltkonjunktur den Exportimpuls wieder reduzieren.

Auch die staatlichen Wachstumsimpulse sind nicht ohne Gegenrisiken. Steigende Defizite und Schulden könnten in den kommenden Jahren den Konsolidierungsdruck erhöhen. Das ifo Institut erwartet für 2026 ein staatliches Finanzierungsdefizit von rund vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Das IW kommt ebenfalls auf etwa vier Prozent.

Die neuen Prognosen zeigen damit eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Frühsommer. Sie zeigen zugleich, dass ein wesentlicher Teil des Wachstums aus Exporterfolgen und staatlichen Ausgaben stammt. Eine entsprechend kräftige Erholung von privaten Investitionen und Konsum zeichnet sich bislang nicht ab.

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