Merck setzt mit Bio-Techne auf die nächste Laborwelle

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Darmstädter Wissenschafts- und Technologiekonzern Merck KGaA will den US-Anbieter Bio-Techne übernehmen und damit sein Life-Science-Geschäft deutlich ausbauen. Beide Unternehmen haben dazu eine verbindliche Vereinbarung geschlossen. Vorgesehen ist ein Barangebot von 73 US-Dollar je Aktie. Der Gesamtwert der Transaktion wird mit rund 11,3 Milliarden US-Dollar angegeben, umgerechnet etwa 9,9 Milliarden Euro.

Abgeschlossen ist der Deal damit noch nicht. Die Übernahme steht unter anderem unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und der Zustimmung der Bio-Techne-Aktionäre. Merck und Bio-Techne rechnen nach eigenen Angaben mit einem Abschluss Ende 2026 oder Anfang 2027.

Was Merck mit Bio-Techne übernimmt

Bio-Techne hat seinen Sitz in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota und liefert Produkte für Forschung, Diagnostik und biopharmazeutische Entwicklung. Dazu gehören Proteine, Antikörper, Reagenzien, Analysegeräte und Technologien für räumliche Biologie. Solche Produkte werden in Laboren, bei Pharmaunternehmen, in der Biotechnologie und in diagnostischen Anwendungen eingesetzt.

Für Merck ist Bio-Techne vor allem deshalb interessant, weil das Unternehmen an mehreren Stellen der modernen Wirkstoffentwicklung andockt. Es geht nicht um klassische Arzneimittel, sondern um Werkzeuge, die Forschung und Produktion ermöglichen. Bio-Techne bringt nach Unternehmensangaben mehr als 3.000 Beschäftigte, 34 Standorte und 15 Produktionsstätten ein. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Bio-Techne einen Nettoumsatz von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar.

Warum der Deal strategisch wichtig ist

Merck ist in drei Bereichen aktiv: Life Science, Healthcare und Electronics. Das Life-Science-Geschäft liefert unter anderem Laborprodukte, Materialien und Dienstleistungen für Forschung und Arzneimittelproduktion. Mit Bio-Techne will Merck besonders in Bereichen wachsen, die in der Branche als langfristig wichtig gelten: Multi-Omics, räumliche Biologie, Zell- und Gentherapie, Präzisionsdiagnostik und fortgeschrittene Forschungstechnologien.

Damit setzt Merck seine Strategie fort, das Geschäft mit Labor- und Bioprozesslösungen durch Zukäufe zu stärken. Gerade in der Arzneimittelforschung werden Daten, Zellmodelle, molekulare Analysen und hochspezialisierte Produktionsverfahren wichtiger. Unternehmen, die dafür Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien liefern, stehen nicht nur im Wettbewerb um einzelne Medikamente, sondern bedienen viele Forschungs- und Produktionskunden gleichzeitig.

Ein großer Schritt auf dem US-Markt

Die geplante Übernahme ist auch international bedeutsam, weil sie Mercks Stellung in den USA weiter ausbauen würde. Der Konzern aus Darmstadt tritt in den USA und Kanada nicht unter dem Namen Merck auf, sondern nutzt dort für seine Geschäftsbereiche unter anderem die Marken MilliporeSigma, EMD Serono und EMD Electronics. Das hängt mit der historischen Abgrenzung zur US-amerikanischen Merck & Co. zusammen.

Bio-Techne würde in dieses US-Geschäft gut passen. Merck verweist auf eine lange Reihe früherer Übernahmen in den Vereinigten Staaten, darunter Millipore, Sigma-Aldrich, Versum und SpringWorks Therapeutics. Mit Bio-Techne käme nun ein Unternehmen hinzu, das besonders nah an Forschungslaboren, Diagnostik und neuen Therapieformen arbeitet.

Finanzierung und erwartete Synergien

Merck will die Übernahme aus vorhandenen Barmitteln und neuer Verschuldung finanzieren. Das Unternehmen erklärte zugleich, ein starkes Investment-Grade-Rating erhalten zu wollen. Der Kaufpreis entspricht nach Unternehmensangaben einem Aufschlag von 36 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der Bio-Techne-Aktie über einen Monat.

Merck rechnet mit jährlichen Kostensynergien von rund 140 Millionen Euro, die bis zum dritten Jahr nach Abschluss vollständig erreicht werden sollen. Solche Angaben sind Prognosen und keine gesicherten Ergebnisse. Entscheidend wird sein, ob die Integration gelingt, ob wichtige Fachkräfte gehalten werden können und ob die erwarteten Vorteile im Vertrieb, in der Produktion und bei gemeinsamen Angeboten tatsächlich entstehen.

Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass Merck und Bio-Techne eine Übernahmevereinbarung geschlossen haben. Die Transaktion ist nicht vollzogen. Eine Zustimmung der Aktionäre von Bio-Techne und die notwendigen Freigaben der Aufsichtsbehörden stehen noch aus. Auch die genaue organisatorische Integration blieb zunächst offen.

Damit ist der Deal zwar deutlich belastbarer als ein bloßes Marktgerücht, aber noch kein abgeschlossener Unternehmenskauf. Für Merck geht es um eine strategische Wette auf ein Geschäft, das weniger von einzelnen Medikamentenerfolgen abhängt als vom breiten Bedarf an Forschung, Diagnostik und biopharmazeutischer Produktion. Für Bio-Techne bietet der Zusammenschluss Zugang zu größerer globaler Reichweite. Ob daraus der erwartete Mehrwert entsteht, wird sich erst nach dem Vollzug und der Integration zeigen.

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