
Ulm. Die Drogeriekette Müller steht vor einer neuen Etappe in ihrer Sortimentsstrategie. Nach aktuellen Medienberichten will das Unternehmen das Geschäft mit Eigenmarken im Drogeriebereich stärker ausbauen. Damit rückt ein Feld in den Mittelpunkt, das im Handel seit Jahren an Bedeutung gewinnt: Produkte unter eigener Marke, die häufig günstiger angeboten werden als klassische Herstellermarken.
Offiziell bestätigt war zunächst vor allem, dass Müller seine Unternehmensführung bereits zum 1. April 2026 neu strukturiert hat. Die operative Verantwortung wurde auf eine erweiterte Geschäftsleitung verteilt. Unternehmensgründer Erwin Müller blieb dabei die zentrale Instanz.
Nach Angaben von t-online unter Berufung auf die Lebensmittel Zeitung soll Müller die eigene Eigenmarkenstrategie neu ausrichten. Der Konzern wolle demnach künftig mehr Drogerieprodukte unter eigener Marke anbieten. Konkrete neue Produkte oder genaue Zeitpläne wurden zunächst nicht öffentlich bestätigt.
Müller führt bereits eine große Zahl eigener Markenartikel. Das Unternehmen verweist selbst auf rund 7.000 Eigenmarkenprodukte in nahezu allen Sortimentsbereichen. Dazu zählen unter anderem Drogerie, Parfümerie, Spielwaren, Schreibwaren, Textilien und Lebensmittel. Im Drogeriebereich soll der Ausbau nach den Medienberichten nun besonders wichtig werden.
Eigenmarken sind im Einzelhandel längst mehr als eine günstige Alternative. Für Ketten wie dm, Rossmann und Müller sind sie ein strategisches Instrument. Sie ermöglichen eigene Preisgestaltung, höhere Kontrolle über das Sortiment und eine stärkere Bindung der Kunden an die jeweilige Handelsmarke.
Die Wettbewerber sind in diesem Bereich bereits breit aufgestellt. dm nennt mehr als 5.500 Produkte unter dm Marken und Kooperationsmarken. Rossmann verweist auf 28 Eigenmarken mit mehr als 4.600 Produkten. Für Müller ist ein stärkerer Fokus auf eigene Drogerieprodukte daher auch eine Antwort auf den Wettbewerb im deutschen und europäischen Drogeriemarkt.
Mit der neuen Ausrichtung werden auch Personalveränderungen in Verbindung gebracht. Nach Darstellung der Lebensmittel Zeitung verlässt Eigenmarkenchef Volker Quantz das Unternehmen. t-online berichtet zudem, auch ein Controlling Verantwortlicher habe Müller verlassen. Eine unabhängige Bestätigung aller Einzelheiten lag zunächst nicht vor.
Die genauen Hintergründe blieben zunächst offen. Sicher ist jedoch: Müller hatte seine Führungsstruktur bereits im Frühjahr neu geordnet. Seit dem 1. April gehört der erweiterten Geschäftsleitung ein siebenköpfiges Gremium an. Zur Sprecherin wurde Elke Menold benannt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem Ziel, operative Verantwortung breiter zu verteilen.
Müller ist längst mehr als eine deutsche Drogeriekette. Nach Unternehmensangaben betreibt die Müller Holding GmbH & Co. KG zum Stand 1. Juni 2026 insgesamt 961 Filialen in neun Ländern. Davon liegen 578 in Deutschland, weitere Märkte sind unter anderem Österreich, die Schweiz, Kroatien, Ungarn, Slowenien, Spanien, Liechtenstein und die Slowakei.
Der Konzern beschäftigt rund 35.500 Mitarbeiter und rund 800 Auszubildende. Das Sortiment ist deutlich breiter als bei vielen Wettbewerbern. Neben klassischen Drogerieartikeln gehören auch Parfümerie, Spielwaren, Schreibwaren, Haushalt, Naturkosmetik, Bio Nahrung, Multimedia, Handarbeit, Strümpfe und Tierbedarf dazu.
Für Kunden ist vor allem entscheidend, ob der geplante Ausbau der Eigenmarken zu mehr Auswahl und niedrigeren Preisen führt. Genau das blieb zunächst offen. Müller hat keine vollständige Liste neuer Eigenmarkenartikel veröffentlicht und auch keine Angaben dazu gemacht, wann neue Produkte in größerem Umfang in den Filialen oder im Onlineshop sichtbar werden.
Klar ist: Der Wettbewerb im Drogeriemarkt wird stärker über eigene Marken, Beratung, digitale Angebote und Sortimentstiefe geführt. Müller hat mit seiner Größe und internationalen Präsenz eine breite Basis. Ob die Neuausrichtung im Alltag der Kunden spürbar wird, dürfte sich erst zeigen, wenn neue Produkte tatsächlich in den Regalen stehen.
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