
Die deutschen Pkw-Exporte verlieren 2026 an Fahrt. Von Januar bis Juli wurden rund 2,0 Millionen neue Pkw im Wert von 73,5 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert. Damit zeigt sich bei einer der wichtigsten deutschen Industriebranchen eine deutlich schwächere Entwicklung als beim gesamten Außenhandel. Gleichzeitig geraten Produktion und Auftragseingänge der Autobranche unter Druck.
Die Zahlen passen zu weiteren aktuellen Indikatoren. Der Verband der Automobilindustrie meldete Anfang September, dass in den ersten acht Monaten 2026 rund 2,01 Millionen Pkw aus deutschen Werken exportiert wurden. Das waren fünf Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Allein im August sank der Export um zwölf Prozent auf 168.300 Fahrzeuge.
Die Entwicklung fällt besonders auf, weil Deutschlands Außenhandel insgesamt derzeit ein anderes Bild zeigt. Von Januar bis Juli 2026 lagen die kalender- und saisonbereinigten deutschen Warenausfuhren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 954,2 Milliarden Euro und damit vier Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im Juli wurden Waren im Wert von 138,2 Milliarden Euro exportiert.
Die deutschen Pkw-Exporte können mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Bereits die Produktionsdaten des VDA zeigen eine schwächere Nachfrage nach Fahrzeugen aus deutschen Werken. In den ersten acht Monaten wurden in Deutschland rund 2,65 Millionen Pkw hergestellt. Das waren vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 16 Prozent weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2019.
Damit bleibt die Branche trotz der fortschreitenden Umstellung auf elektrische Modelle deutlich unter ihrem früheren Produktionsniveau.
Besonders deutlich zeigt sich der Druck im Geschäft mit China. Von Januar bis Mai 2026 gingen die deutschen Exporte von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen nach China gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,1 Prozent zurück. Der Exportwert lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in diesem Zeitraum bei 4,7 Milliarden Euro. Bereits 2025 waren die deutschen Kraftfahrzeugexporte nach China um 33 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro gesunken.
Parallel wächst der Wettbewerb durch chinesische Hersteller. Auch auf dem deutschen Markt gewinnen neue Anbieter Marktanteile. Gleichzeitig kommen zunehmend Elektroautos aus China nach Deutschland. Von Januar bis Mai 2026 stammten 23,5 Prozent der nach Deutschland importierten Pkw mit Elektromotor aus China.
Auch die Vereinigten Staaten, traditionell ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Hersteller, entwickelten sich zuletzt schwierig. Im ersten Quartal 2026 wurden Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile im Wert von 6,5 Milliarden Euro aus Deutschland in die USA geliefert. Das waren 28,4 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahresquartal. Bei reinen Elektroautos fiel der Exportwert sogar um 65,7 Prozent.
Nicht nur die Exporte liefern Warnsignale. Im Juli sank der preisbereinigte Auftragseingang der deutschen Automobilindustrie saison- und kalenderbereinigt um 12,5 Prozent gegenüber Juni. Der Auftragsbestand der Branche ging im selben Monat um 1,7 Prozent zurück.
Auch die Produktion entwickelte sich schwach. Im Juli sank die Produktion der Automobilindustrie nach Destatis-Angaben saison- und kalenderbereinigt um 9,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dabei spielten allerdings auch mehrwöchige Produktionsunterbrechungen eine Rolle.
Das Bundeswirtschaftsministerium beschrieb die Perspektiven für gewichtige Branchen wie den Automobil- und Maschinenbau Mitte September als zunehmend vom internationalen Wettbewerb geprägt. Gleichzeitig waren die Auslandsaufträge des gesamten Verarbeitenden Gewerbes im Juli rückläufig.
Auf dem Heimatmarkt sieht die Entwicklung freundlicher aus. Von Januar bis August wurden in Deutschland knapp 1,97 Millionen neue Pkw zugelassen. Das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark wuchs die Elektromobilität: Die Zahl der neu zugelassenen batterieelektrischen Pkw stieg um 53 Prozent auf rund 515.500 Fahrzeuge.
Der Gesamtmarkt liegt allerdings weiterhin erheblich unter früheren Größenordnungen. Nach Angaben des VDA wurden in den ersten acht Monaten rund 21 Prozent weniger Pkw neu zugelassen als im entsprechenden Zeitraum 2019.
Damit zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Elektroautos gewinnen in Deutschland kräftig an Bedeutung, gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck auf deutsche Hersteller und ihre Produktionsstandorte.
Die Veränderungen sind auch auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Nach Destatis-Daten, die der VDA zusammenfasst, sank die durchschnittliche Beschäftigtenzahl in der deutschen Automobilindustrie bereits 2025 um 5,3 Prozent auf rund 732.000 Menschen. Besonders deutlich war der Rückgang bei Herstellern von Kfz-Teilen und Zubehör. Dort nahm die Beschäftigung um 11,1 Prozent auf rund 237.000 Personen ab.
Auch die Umsätze entwickelten sich 2025 rückläufig. Der Gesamtumsatz der Automobilindustrie sank um 1,5 Prozent auf rund 533,7 Milliarden Euro. Das Auslandsgeschäft gab um 3,6 Prozent nach.
Für 2026 zeigen die bisherigen Zahlen keine einheitliche Krise, aber mehrere gleichzeitig wirkende Belastungen. Die Pkw-Produktion liegt unter dem Vorjahresniveau, die Exporte aus deutschen Werken sind rückläufig, wichtige Auslandsmärkte wie China haben deutlich an Bedeutung verloren und der internationale Wettbewerb bei Elektroautos nimmt zu.
Gleichzeitig wächst der deutsche Neuwagenmarkt und vor allem die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen kräftig. Für die deutsche Autoindustrie entscheidet sich damit zunehmend, wie erfolgreich sie das Wachstum der Elektromobilität in Produktion, Export und Marktanteile umsetzen kann.
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