Den Haag verurteilt Kosovos Ex-Präsident Thaçi zu 25 Jahren Haft

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Der frühere kosovarische Präsident Hashim Thaçi ist von den Kosovo Specialist Chambers in Den Haag wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht sprach ihn am Mittwoch, 16. September 2026, unter anderem wegen Mordes, Folter, grausamer Behandlung und willkürlicher Inhaftierung schuldig. Hashim Thaçi wurde damit zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die bereits in Untersuchungshaft verbrachte Zeit wird angerechnet.

Gericht stellt Verantwortung für vier Kriegsverbrechen fest

Gemeinsam mit Thaçi standen die früheren Führungspersönlichkeiten der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK Kadri Veseli, Rexhep Selimi und Jakup Krasniqi vor Gericht. Nach dem Urteil waren alle vier strafrechtlich verantwortlich für willkürliche Inhaftierungen von 385 Menschen, Folter an 303 Menschen, grausame Behandlung von 49 Menschen sowie die Tötung von 96 Menschen.

Nach den Feststellungen der Richter leisteten die vier Männer einen wesentlichen Beitrag zu einem gemeinsamen kriminellen Vorhaben. Dieses richtete sich gegen Personen, die als Gegner der politischen oder militärischen Ziele der UÇK angesehen wurden. Dazu zählten nach Angaben des Gerichts Kosovo-Albaner aus konkurrierenden politischen oder militärischen Gruppen, mutmaßliche Unterstützer jugoslawischer oder serbischer Behörden sowie Angehörige ethnischer Minderheiten, darunter Roma und Serben.

Freispruch bei Vorwürfen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Nicht sämtliche Anklagepunkte führten zu Schuldsprüchen. Von den Vorwürfen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden Thaçi und die drei Mitangeklagten freigesprochen. Die Anklage habe nicht zweifelsfrei beweisen können, dass ein weit verbreiteter oder systematischer Angriff gegen eine Zivilbevölkerung vorlag, erklärte das Gericht. Auch bei einzelnen vorgeworfenen Kriegsverbrechen erfolgten Freisprüche.

Die Differenzierung ist wesentlich, weil die Anklageschrift ursprünglich sechs Anklagepunkte wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und vier wegen Kriegsverbrechen enthielt. Die Vorwürfe bezogen sich auf Ereignisse zwischen mindestens März 1998 und September 1999 im Kosovo sowie an Orten im Norden Albaniens.

Auch Veseli, Selimi und Krasniqi erhalten Haftstrafen

Neben Thaçi verurteilte das Gericht Jakup Krasniqi ebenfalls zu 25 Jahren Haft. Kadri Veseli erhielt eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren, Rexhep Selimi wurde zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Bei allen vier Angeklagten wird die bereits verbrachte Haftzeit angerechnet.

Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten deutlich höhere Strafen verlangt. Thaçi bestreitet wie die übrigen Angeklagten die gegen sie erhobenen Vorwürfe und wies sie im Verfahren zurück. Gegen das erstinstanzliche Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.

Prozess begann im April 2023

Thaçi war bereits im November 2020 nach Den Haag gebracht worden und trat damals als Präsident des Kosovo zurück. Der eigentliche Prozess gegen die vier Männer begann am 3. April 2023. Insgesamt sagten 134 Zeugen vor Gericht aus. Das Beweisverfahren wurde im Dezember 2025 abgeschlossen, die Schlussplädoyers fanden im Februar 2026 statt.

Die Kosovo Specialist Chambers sind Teil des kosovarischen Rechtssystems, haben ihren Sitz jedoch in Den Haag und sind mit internationalen Richtern und Mitarbeitern besetzt. Das Verfahren befasste sich mit mutmaßlichen Straftaten während und unmittelbar nach dem Kosovo-Krieg von 1998 und 1999.

Thaçi prägte später die Politik des Kosovo

Thaçi gehörte während des Kosovo-Krieges zu den führenden Persönlichkeiten der UÇK. Nach dem Krieg wechselte er in die Politik. Er war unter anderem Ministerpräsident des Kosovo und später Präsident. Im Jahr 2008 gehörte er zu den zentralen politischen Akteuren bei der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo.

Das Urteil trifft deshalb eine der prägendsten Figuren der jüngeren Geschichte des Landes. In Kosovo genießt Thaçi unter Teilen der Bevölkerung weiterhin großes Ansehen. Bereits vor der Urteilsverkündung hatten Tausende Menschen in Pristina ihre Unterstützung für ihn und die anderen Angeklagten demonstriert.

Die amtierende Präsidentin und Parlamentspräsidentin Albulena Haxhiu bezeichnete die ausgesprochenen Strafen am Mittwoch als schweren Moment für das Land und verwies zugleich auf die Gewalt, Vertreibungen und Tötungen, denen Kosovo-Albaner während des Krieges ausgesetzt waren.

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