Neue Pflichten zeigen die Rolle der Veterinärämter

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Kiel. Veterinärämter rücken derzeit durch neue Vorgaben im Tierschutz und durch saisonale Kontrollen stärker in den Blick. In Schleswig-Holstein gilt seit dem 1. Juli 2026 erstmals eine landesweite Katzenschutzverordnung. Wer einer fortpflanzungsfähigen Katze unkontrollierten Freigang gewährt, muss sie nach Ablauf der Übergangsfrist kastrieren, kennzeichnen und registrieren lassen. Zugleich machen aktuelle Hinweise aus Kreisbehörden deutlich, dass das Veterinäramt nicht nur bei Haustieren zuständig ist. Es überwacht Tierhaltung, Tiergesundheit, Lebensmittelhygiene und greift bei möglichen Verstößen ein.

Schleswig-Holstein führt neue Pflichten für Freigängerkatzen ein

Die neue Katzenschutzverordnung in Schleswig-Holstein gilt im gesamten Bundesland. Sie betrifft fortpflanzungsfähige Freigängerkatzen, denen unkontrollierter Auslauf gewährt wird. Für bereits gehaltene Freigängerkatzen läuft eine Übergangsfrist von sechs Monaten. Ab dem 1. Januar 2027 müssen betroffene Tiere kastriert, gekennzeichnet und bei einer anerkannten Stelle registriert sein. Wohnungskatzen, die Haus oder Wohnung nicht verlassen, fallen nicht unter die Regelung.

Wird eine aufgefundene Katze nicht registriert und kann die verantwortliche Person innerhalb von fünf Tagen nicht erreicht werden, kann die zuständige Behörde Kennzeichnung, Registrierung und Kastration veranlassen. Die Kosten trägt nach den Angaben des Landes die Haltungsperson. Damit wird der Katzenschutz stärker von freiwilliger Vorsorge auf eine verbindliche kommunale Umsetzung verlagert.

Hitzeschutz wird für Tierhalter zum Kontrollthema

Auch abseits der Katzenverordnung gibt es aktuelle Vorgänge aus Veterinärämtern. Das Veterinäramt des Rhein-Hunsrück-Kreises wies am 30. Juni darauf hin, dass Schafe regelmäßig und insbesondere vor den Sommermonaten fachgerecht geschoren werden müssen. Ein dichtes Wollvlies kann bei Hitze zu erheblicher Belastung führen. Zudem kann feuchtwarme Wolle Parasitenbefall begünstigen. Nach Angaben des Kreises liegt der geeignete Zeitraum für die Schafschur grundsätzlich zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Das Unterlassen einer erforderlichen jährlichen Schur kann als Verstoß gegen tierschutzrechtliche Vorgaben geahndet werden.

Was Veterinärämter kontrollieren

Veterinärämter sind in Deutschland auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte zentrale Fachbehörden für Tiergesundheit, Tierschutz und Lebensmittelüberwachung. Sie kontrollieren private und gewerbliche Tierhaltungen, Tiertransporte, Tierausstellungen, Schlachttier- und Fleischuntersuchungen sowie Lebensmittelbetriebe mit tierischen Produkten. Der Landkreis Ravensburg beschreibt das Aufgabenspektrum als Verbindung aus Tierwohl, Verbraucherschutz, Seuchenbekämpfung und Lebensmittelhygiene. In Nordrhein-Westfalen trat zudem am 1. Juli 2026 ein Ausführungsgesetz zum Tiergesundheitsrecht in Kraft. Es legt unter anderem fest, dass die Leitung eines Veterinäramtes für Tiergesundheitsangelegenheiten nur einer Amtstierärztin oder einem Amtstierarzt übertragen werden darf.

Kontrollen erfolgen risikoorientiert

Welche Tierhaltungsbetriebe überprüft werden, entscheiden die zuständigen Veterinärämter nach Risikogesichtspunkten. Bei Kontrollen gab es Beanstandungen. Die Zahlen zeigen, warum Veterinärämter in Tierschutzdebatten regelmäßig eine Schlüsselrolle spielen. Sie sollen Verstöße erkennen, Auflagen erteilen und in schweren Fällen Verfahren an Polizei oder Staatsanwaltschaft abgeben. Gleichzeitig verweisen Fachstellen seit Jahren auf Personalmangel und begrenzte Kontrollkapazitäten.

Tierseuchen bleiben Teil der täglichen Arbeit

Neben dem Tierschutz gehört die Tierseuchenbekämpfung zu den Kernaufgaben. Im Landkreis Freising wurde Ende Juni eine Überwachungszone nach einem Fall der Newcastle-Krankheit aufgehoben. Das Veterinäramt mahnte dennoch weiter zur Wachsamkeit. Hühner- und Putenhalter müssen ihre Bestände unabhängig von der Bestandsgröße gegen die Newcastle-Krankheit impfen, Haltungen anmelden und Bestandsregister führen. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut weist bei der Geflügelpest weiter auf regionale Risiken hin. Für Juni 2026 erwartete das Institut zwar rückläufige Nachweise bei Geflügel und Wildvögeln, lokal seien aber verstärkte Infektionen in Brutkolonien möglich.

Wann Bürger das Veterinäramt informieren sollten

Wer Hinweise auf Tierquälerei oder nicht artgerechte Haltung hat, sollte Beobachtungen möglichst konkret dokumentieren. Dazu gehören Ort, Zeitpunkt, Art des Vorfalls, beteiligte Personen und nach Möglichkeit Fotos. Der Landkreis Emmendingen empfiehlt, solche Hinweise an das zuständige Veterinäramt oder gegebenenfalls an die Polizei zu richten. Bestätigen sich Missstände, kommen je nach Fall Belehrungen, Anordnungen, Bußgelder oder weitere Schritte infrage. In schweren Fällen können Tiere weggenommen und anderweitig untergebracht werden. Bei Verdacht auf Straftaten wird der Vorgang an die Ermittlungsbehörden abgegeben.

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