
Hannover 96 hat die Nachfolge von Christian Titz geregelt. Sandro Wagner übernimmt den Fußball-Zweitligisten und hat einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028 unterschrieben. Der 38-Jährige wird am Montag erstmals das Training der Profimannschaft leiten. Beim Heimspiel gegen den VfL Bochum am Sonntag sitzt dagegen noch U23-Trainer Lars Barlemann als Interimslösung auf der Bank.
Zuerst hatte die Bild am Samstagnachmittag über die Einigung berichtet. Der entsprechende Bericht erschien um 15.59 Uhr. Sky Sport bestätigte die Information um 16.23 Uhr und verwies ausdrücklich darauf, dass Bild zuerst berichtet hatte. Wenig später bestätigte Hannovers Aufsichtsratschef Martin Kind die Einigung dem Sport-Informationsdienst. Die offizielle Mitteilung des Vereins folgte am Samstagabend. Spätestens gegen 20.25 Uhr war die Verpflichtung auch vom Klub öffentlich bestätigt.
Der Vertrag des neuen Cheftrainers läuft bis zum 30. Juni 2028. Weitere Vertragsdetails veröffentlichte Hannover 96 zunächst nicht. Eine Ausstiegsklausel wurde vom Verein nicht genannt. Wagner war seit seinem Abschied vom FC Augsburg im Dezember 2025 ohne Trainerposten. Sein Vertrag beim Bundesligisten war damals im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst worden. Eine Ablöse an einen bisherigen Arbeitgeber steht deshalb bei seinem Wechsel nach Hannover nicht im Raum.
Wagner erklärte zu seinem neuen Verein: Hannover 96 ist ein Klub mit Wucht. Bereits die ersten Gespräche hätten bei ihm den Eindruck hinterlassen, dass die Aufgabe gut zu seinen Vorstellungen passe. Er wolle mit Mannschaft, Mitarbeitern und Fans geschlossen auftreten.
Geschäftsführer Sport Jonas Boldt hob vor allem die Vorbereitung Wagners auf die Gespräche hervor. Der neue Coach habe sich intensiv mit dem Kader und dem bisherigen Saisonverlauf beschäftigt. Boldt beschrieb Wagner als einen Trainer, der akribisch arbeitet und für die Aufgabe brennt.
Wagner wurde am 29. November 1987 in München geboren und ist 38 Jahre alt. Seine Trainerlaufbahn begann nach dem Ende seiner Spielerkarriere 2020 im Nachwuchsbereich des Deutschen Fußball-Bundes. Zunächst arbeitete er als Stürmertrainer, anschließend bei der U19 der SpVgg Unterhaching. Im Sommer 2021 übernahm er dort die erste Mannschaft.
In zwei Jahren führte Wagner Unterhaching zur Meisterschaft in der Regionalliga Bayern und 2023 zum Aufstieg in die 3. Liga. Seine Bilanz als Cheftrainer der ersten Mannschaft lag bei 81 Spielen, 48 Siegen, 15 Unentschieden und 18 Niederlagen. Das entspricht einem Schnitt von 1,96 Punkten pro Partie.
Danach kehrte Wagner zum DFB zurück. Auf eine kurze Tätigkeit als Co-Trainer der deutschen U20 folgte im September 2023 der Wechsel zum Trainerstab der A-Nationalmannschaft. Dort arbeitete Wagner unter Julian Nagelsmann und gehörte auch während der Heim-Europameisterschaft 2024 zum Trainerteam. Im Sommer 2025 verließ er den DFB und übernahm den FC Augsburg.
Beim FCA endete Wagners erste Station als Bundesliga-Cheftrainer bereits am 1. Dezember 2025. In 14 Pflichtspielen standen vier Siege, ein Unentschieden und neun Niederlagen sowie ein Punkteschnitt von 0,93 zu Buche. Augsburg und Wagner lösten den Vertrag anschließend einvernehmlich auf. Der Verein erklärte damals, in Gesprächen nach dem Spiel gegen Hoffenheim sei deutlich geworden, dass die notwendige Überzeugung für eine sportliche Wende in der bestehenden Konstellation fehle. Mit Wagner verließ damals auch sein Trainerteam den FCA.
In Hannover übernimmt Wagner eine Mannschaft, die deutlich hinter den eigenen Erwartungen in die Saison gestartet ist. Nach fünf Zweitligaspielen standen lediglich vier Punkte und Tabellenplatz 15 zu Buche. Ausschlaggebend für die Trennung von Christian Titz war schließlich die 1:2-Niederlage beim 1. FC Nürnberg.
Titz hatte Hannover in der vergangenen Saison auf Platz vier geführt und den Bundesliga-Aufstieg nur knapp verpasst. Der Klub erklärte bei seiner Freistellung am 14. September, die Entwicklung seit der Vorbereitung umfassend analysiert zu haben. Geschäftsführer Boldt verwies dabei auf fehlende Stabilität und Klarheit sowie auf wiederkehrende negative Muster. Neben Titz wurde auch Co-Trainer André Kilian von seinen Aufgaben entbunden.
Für das Bochum-Spiel am Sonntag bleibt es bei der bereits festgelegten Übergangslösung. Lars Barlemann betreut die Mannschaft gemeinsam mit Christian Schulz und dem verbliebenen Trainerstab. Wagner beginnt anschließend am Montag mit seiner Arbeit. Seine erste Trainingseinheit soll öffentlich stattfinden. Auch seine offizielle Vorstellung auf einer Pressekonferenz ist für Montag vorgesehen.
Hannovers Sportdirektor Ralf Becker begründete die Entscheidung auch mit Wagners Arbeit mit jüngeren Spielern und dessen Fußballvorstellungen. Becker beschrieb den Ansatz als offensiv, intensiv und mutig mit aggressivem Pressing. Diese Ausrichtung passe nach Einschätzung des Sportdirektors sowohl zum Verein als auch zum aktuellen Kader.
Damit spricht zunächst wenig für einen grundlegenden personellen Neustart. Bereits vor der Verpflichtung hatte eine vom NDR veröffentlichte Analyse darauf hingewiesen, dass Wagners bevorzugte Spielweise mit dem bestehenden Personal umsetzbar wäre. Wagner setzte zuletzt häufig auf eine Grundordnung mit drei Innenverteidigern und offensiv ausgerichteten Schienenspielern. Im Vergleich zum unter Titz häufig genutzten 4-3-3 könnten sich damit vor allem die Rollen im Mittelfeld und auf den Außenpositionen verändern.
Zum bestehenden Profistab gehören unter anderem die Co-Trainer Clemens Döring und Levent Sürme, Torwarttrainer Michael Ratajczak sowie die Videoanalysten Bjarne Oslender und Gleart Golemi. Hannover 96 gab bei der Bekanntgabe Wagners zunächst nicht bekannt, dass weitere Co-Trainer mit dem neuen Chefcoach zum Verein wechseln.
Wagner bekommt damit zunächst die vorhandene Struktur und einen Kader, den die sportliche Leitung ausdrücklich als passend zu seiner Spielidee bewertet. Nach dem Fehlstart besteht die erste Aufgabe darin, während der ungewöhnlich langen Länderspielpause Abläufe und Spielweise an seine Vorstellungen anzupassen. Danach beginnt für den 38-Jährigen seine zweite Station als Cheftrainer im deutschen Profifußball.
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