Gewalt gegen Beschäftigte: Münster verzeichnet so viele Vorfälle wie nie zuvor

Gewalt gegen Mitarbeitende in Münster auf Rekordhoch
Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Münster, Stadthaus 1 -- 2022 -- 0262” / CC BY-SA 4.0
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Münster. Münster erlebt einen deutlichen Anstieg von Gewalt gegen städtische Mitarbeitende. Im Jahr 2025 wurden innerhalb der Stadtverwaltung 123 Gewaltvorfälle gemeldet. Das geht aus einer aktuellen Berichtsvorlage hervor, die nun in mehreren Ausschüssen beraten wird. Damit erreicht die Zahl einen neuen Höchststand.

Nach den pandemiebedingt niedrigeren Werten zwischen 2020 und 2022 steigt die Kurve seit drei Jahren kontinuierlich an. 2023 waren es 114 Fälle, 2024 bereits 121. Nun liegt die Zahl nochmals höher. Die Verwaltung sieht darin nicht nur ein mögliches Zeichen wachsender gesellschaftlicher Spannungen. Auch eine stärkere Sensibilisierung und konsequentere Meldestrukturen könnten eine Rolle spielen. Klar ist jedoch: Für viele Beschäftigte im direkten Bürgerkontakt gehört Gewalt inzwischen spürbar zum Arbeitsalltag.

Brennpunkte in Münster: Sozialamt, Ordnungsdienst und Bahnhofsumfeld

Die meisten Meldungen kamen 2025 aus dem Sozialamt. Dort wurden 25 Vorfälle registriert. Feuerwehr und Ordnungsamt folgen mit 17 beziehungsweise 16 Fällen. Auch das Jobcenter verzeichnete nach einem zwischenzeitlichen Rückgang wieder einen Anstieg auf 12 Vorfälle.

Im Sozialamt erklärt sich der hohe Wert unter anderem durch eine geänderte Meldepraxis. Vorfälle werden dort bereits bei niedrigeren Eskalationsstufen konsequent dokumentiert. Gleichzeitig reagierte die Verwaltung mit konkreten Maßnahmen. Rund 80 Mitarbeitende nahmen an Deeskalationstrainings teil. Zudem wurde der Eingangsbereich eines Dienstgebäudes baulich umgestaltet. Trennwände und geschützte Beratungszonen sollen das Risiko bei Konfliktsituationen senken.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Umfeld des Hauptbahnhofs. 13 der gemeldeten Vorfälle ereigneten sich dort. Besonders betroffen waren Außendienstkräfte des Ordnungsamtes und Einsatzkräfte des Rettungsdienstes. In mehreren Fällen standen die Täter unter Alkohol oder Drogeneinfluss. Das Bahnhofsumfeld bleibt damit ein sensibler Einsatzraum für städtische Beschäftigte.

102 Fälle mit körperlicher Gewalt oder Bedrohung

Die Stadt unterscheidet fünf Eskalationsstufen von Gewalt. Die Bandbreite reicht von konflikthaften Gesprächssituationen bis zu schweren Gewalttaten. 2025 entfielen 102 der 123 Fälle auf die Stufe 4. Darunter fallen Körperverletzung, Bedrohungen, Schubsen, Treten oder massive Beleidigungen. Drei Fälle wurden als Sachbeschädigung eingestuft, 18 als unangemessenes Sozialverhalten. Fälle der höchsten Stufe wie Geiselnahmen oder Amoklagen wurden nicht registriert.

Insgesamt waren 127 Mitarbeitende betroffen, nahezu gleich viele Männer wie Frauen. Auffällig ist, dass 24 Vorfälle einen diskriminierenden Hintergrund hatten. Zehn standen im Zusammenhang mit sexistischen Äußerungen, elf mit rassistischen. Zudem gab es jeweils einen antisemitischen, homofeindlichen und ableistischen Vorfall. Dabei handelte es sich ausschließlich um verbale Übergriffe.

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36 Strafanzeigen oder Strafanträge wurden 2025 gestellt. Die Rückmeldungen zu abgeschlossenen Verfahren fallen bislang ernüchternd aus, mehrere Ermittlungen wurden eingestellt. Parallel setzt die Stadt verstärkt auf Prävention. Neben Schulungen und baulichen Sicherungen gibt es psychosoziale Unterstützungsangebote, Sicherheitsdienste in publikumsintensiven Gebäuden und digitale Beratungsplattformen für Betroffene.

Die Botschaft der Verwaltung ist eindeutig. Gewalt gegen Beschäftigte wird nicht toleriert. Gleichzeitig zeigt der Bericht, wie stark sich der Ton in Teilen der Gesellschaft verändert hat. Für Münster bedeutet das: Schutzkonzepte werden weiter ausgebaut, Meldewege geschärft und Strukturen angepasst. Denn hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der im Dienst für die Stadt angegriffen wurde.

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