EPG-Gipfel Jerewan 2026: Merz sagt ab – Deutschland ohne Kanzler

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Jerewan, die Hauptstadt Armeniens, ist am Montag, dem 4. Mai 2026, Schauplatz eines der bedeutendsten europäischen Diplomatietreffen des Jahres: Der 8. Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) versammelt rund 48 Staats- und Regierungschefs aus ganz Europa und darüber hinaus. Doch Deutschland glänzt in diesem Jahr durch eine ungewöhnliche Abwesenheit: Bundeskanzler Friedrich Merz hat seine Teilnahme kurzfristig abgesagt.

Was ist die Europäische Politische Gemeinschaft?

Die Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) wurde 2022 auf Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ins Leben gerufen. Sie bringt alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie weitere europäische Staaten zusammen – darunter Großbritannien, die Ukraine, die Türkei, Armenien und weitere Länder. Ziel des informellen Formats ist es, einen breiten europäischen Konsens zu Fragen der Sicherheit, Demokratie und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu fördern, außerhalb der formellen EU-Strukturen.

Der Gipfel in Jerewan ist bereits das achte Treffen in diesem Format. Frühere Austragungsorte waren unter anderem Prag, Chisinau, Granada, Oxford und Budapest. Armenien ist mit seiner geopolitischen Lage zwischen dem russischen Einflussbereich und einer neu angestrebten Westorientierung ein symbolisch bedeutsamer Gastgeber. Das Land unter Premierminister Nikol Paschinjan vollzieht seit Jahren einen schrittweisen Bruch mit Moskau und sucht die Annäherung an Europa.

Merz sagt ab – ein diplomatisches Signal?

Besonders Aufsehen erregt die Absage von Bundeskanzler Friedrich Merz. Es ist das erste Mal seit Gründung der EPG im Jahr 2022, dass Deutschland nicht durch den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin auf höchster Ebene vertreten ist. Merz begründete seine Abwesenheit mit anderen dringenden Verpflichtungen, ohne konkrete Details zu nennen. Diplomatische Beobachter werten dies als ungewöhnliches Signal in einer Phase, in der Europa geschlossen auftreten will.

Dabei ist das Themenspektrum des diesjährigen Gipfels unter dem Motto Building the Future: Unity and Stability in Europe besonders relevant für Deutschland. Auf der Agenda stehen demokratische Resilienz, energetische Sicherheit sowie die Konnektivität zwischen europäischen Volkswirtschaften – alles Themen, bei denen die Bundesregierung eine Schlüsselrolle einnimmt. Außenminister Johann Wadephul vertritt Deutschland in Jerewan.

Auch Spaniens Premierminister Pedro Sánchez sorgte am Rande des Gipfels für Schlagzeilen: Technische Probleme mit seiner Regierungsmaschine verzögerten seine Ankunft und damit den regulären Beginn einiger Treffen. Ein ungewolltes Symbol für die Schwierigkeiten, die Europa auf dem Weg zu mehr Geschlossenheit noch überwinden muss.

Hochkarätige Teilnehmer und erstmals Kanada dabei

Unter den Teilnehmern in Jerewan befinden sich die prominentesten Staatsmänner und -frauen Europas: der britische Premierminister Keir Starmer, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie der polnische Regierungschef Donald Tusk. Besonders bemerkenswert ist die erstmalige Teilnahme eines nicht-europäischen Landes: Kanadas Premierminister Mark Carney nimmt als Gast am Gipfel teil – ein Novum in der Geschichte des Formats, das die transatlantische Dimension europäischer Sicherheit unterstreicht.

Den Vorsitz teilen sich Europarat-Präsident António Costa und der armenische Gastgeber Nikol Paschinjan. Für den 5. Mai 2026 ist außerdem erstmals ein eigenständiger EU-Armenien-Gipfel geplant – ein weiterer Schritt in der Annäherung zwischen Jerewan und Brüssel.

Deutschland und seine Rolle in der europäischen Sicherheitsarchitektur

Die Abwesenheit von Merz wirft grundsätzliche Fragen über Deutschlands Rolle in der aktuellen europäischen Sicherheitsarchitektur auf. Gerade in einer Zeit, in der die USA unter Präsident Donald Trump ihre militärische Präsenz in Europa deutlich reduzieren – zuletzt wurde bekannt, dass die geplante Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland wohl nicht kommt – ist eine starke deutsche Stimme in europäischen Formaten besonders gefragt. Mehr dazu: Tomahawk Deutschland abgesagt: Trump kippt Raketenplan für Wiesbaden.

Gleichzeitig betonen Beobachter, dass die EPG kein Entscheidungsgremium ist und keine bindenden Beschlüsse fasst. Das Format lebt von der symbolischen Kraft des gemeinsamen Erscheinens. Vor diesem Hintergrund wiegt die Absage des deutschen Kanzlers umso schwerer.

Deutschland hatte erst kürzlich beim CDU Wirtschaftstag 2026 innenpolitische Prioritäten gesetzt. CDU Wirtschaftstag 2026: Merz und Reiche setzen auf Wirtschaftswende. Kritiker fragen nun, ob die Bundesregierung ihre außenpolitischen Verpflichtungen ausreichend ernst nimmt, während die innenpolitische Agenda dominiert.

Auch die transatlantischen Verhältnisse geraten durch den zunehmenden Rückzug der USA in Frage: Trump Umfrage Tiefflug: Zustimmung erreicht Rekord-Tief vor den Midterms 2026. Europa steht vor der Aufgabe, seine Sicherheit zunehmend in die eigenen Hände zu nehmen – und dafür braucht es starke nationale Vertreter auf dem internationalen Parkett.

Fazit: Historisches Format mit wachsender Bedeutung

Der EPG-Gipfel in Jerewan macht deutlich, wie sehr sich die europäische Sicherheitslandschaft in den vergangenen Jahren verändert hat. Armenien als Gastgeber steht exemplarisch für die neuen geopolitischen Frontlinien: Ein Land, das sich aus dem russischen Einflussbereich löst und aktiv die Westbindung sucht. 48 Staats- und Regierungschefs senden damit ein klares Signal europäischer Solidarität – auch wenn der wichtigste deutsche Stuhl diesmal leer bleibt.

Quellen: Euronews, ZDF heute, MSN/Europäische Politische Gemeinschaft, presse.online, t-online

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