Neuer Castor-Transport nach Ahaus bringt ungelöste Atommüllfrage zurück nach NRW

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Münster. Der nächste Castor-Transport nach Ahaus könnte bereits am Dienstag, 5. Mai, erneut für einen großen Polizeieinsatz in Nordrhein-Westfalen sorgen. Nach Informationen des WDR soll wieder ein Behälter mit radioaktivem Material aus dem Forschungszentrum Jülich zum Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Offiziell bestätigt werden solche Termine aus Sicherheitsgründen in der Regel nicht. Klar ist aber: Der mögliche Transport wäre kein Einzelfall, sondern Teil einer größeren Verlagerung von insgesamt 152 Castor-Behältern aus Jülich nach Ahaus. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung hatte die Beförderung dieser Behälter im August 2025 genehmigt.

Warum der Atommüll aus Jülich weg soll

Hinter dem aktuellen Konflikt steht ein Problem, das seit Jahren ungelöst ist. Im Zwischenlager Jülich befinden sich nach Angaben der Jülicher Entsorgungsgesellschaft 288.161 kugelförmige Brennelemente und 124 Moderator-Kugeln aus dem früheren AVR-Versuchsreaktor. Sie lagern in 152 Castor-Behältern des Typs THTR/AVR.

Die Verlagerung nach Ahaus ist deshalb so umstritten, weil sie keine Endlagerlösung schafft. Der Atommüll wird nicht dauerhaft entsorgt, sondern von einem Zwischenlager in ein anderes gebracht. Aus Sicht der zuständigen Stellen ist der Transport dennoch der aktuell vorgesehene Weg, weil die frühere Lagergenehmigung in Jülich ausgelaufen ist und die Räumung des dortigen Lagers seit Jahren im Raum steht. Das BASE bezeichnete den Abtransport nach Ahaus im Zusammenhang mit der Genehmigung als derzeit umsetzbare Option.

Ahaus ist seit Jahrzehnten Standort für Castor-Behälter

Das Zwischenlager Ahaus ist kein neuer Standort in der Atommüll-Debatte. Dort werden bereits seit vielen Jahren Castor-Behälter aufbewahrt. Nach Angaben der Stadt Ahaus befinden sich in dem Zwischenlager unter anderem 305 baugleiche Behälter des Typs THTR/AVR, die zwischen 1992 und 1995 angeliefert wurden. Auch die jetzt geplanten Transporte aus Jülich betreffen diesen Behältertyp.

Die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung verweist darauf, dass die Aufbewahrung der Jülicher Behälter in Ahaus genehmigt sei. Die entsprechende Aufbewahrungsgenehmigung wurde 2016 erteilt. Nach Angaben der BGZ wies das Oberverwaltungsgericht Münster Klagen gegen diese Genehmigung im Dezember 2024 ab. Damit sieht die Betreiberseite die rechtlichen Voraussetzungen für die Zwischenlagerung in Ahaus erfüllt.

Gerichtliche Entscheidungen haben den Transportweg freigemacht

Auch juristisch konnten die Transporte bislang nicht gestoppt werden. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wies Anfang März 2026 eine Beschwerde des BUND im Eilverfahren zurück. Die Entscheidung ist unanfechtbar. Damit dürfen die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus vorläufig stattfinden.

Der BUND hatte unter anderem Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Dabei ging es auch um mögliche Störmaßnahmen Dritter, etwa durch Drohnen. Das Gericht sah jedoch im Eilverfahren keine ausreichenden Gründe, um die Transporte zu stoppen. Zugleich erkannte es nach Darstellung des BUND grundsätzlich dessen Klagerecht gegen die Genehmigung an.

Polizei steht vor erneutem Großeinsatz

Für die Polizei bedeutet jeder Castor-Transport einen erheblichen Aufwand. Beim ersten Transport aus Jülich nach Ahaus waren nach Medienberichten rund 2.400 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sprach anschließend von einem Kraftakt. Dabei ging es nicht nur um die Begleitung des Transports selbst, sondern auch um die Sicherung der Strecke und der Bereiche rund um die Lagerorte.

Sollte am 5. Mai erneut ein Behälter rollen, käme der nächste Einsatz nur kurze Zeit nach den vorherigen Transporten. Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert laut WDR die zunehmende Belastung der Einsatzkräfte. Gerade nach dem 1. Mai und weiteren Einsätzen bleibe für viele Beamtinnen und Beamte kaum Zeit zur Erholung. Auch die Frage, wie oft solche Transporte in den kommenden Monaten stattfinden sollen, gewinnt damit an Bedeutung.

Proteste gegen Transport nach Ahaus angekündigt

Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner bereiten sich bereits auf den möglichen Transport vor. Die Protestseite castor-stoppen.de spricht von konkreten Hinweisen auf einen dritten Transport am 5. Mai und kündigt Aktionen in Ahaus an. Geplant sind demnach unter anderem eine Fahrraddemonstration vom Bahnhof zur Transportstrecke sowie eine Mahnwache am Zwischenlager.

Die Initiativen kritisieren vor allem, dass hochradioaktiver Abfall über rund 170 Kilometer durch NRW transportiert wird, ohne dass damit die grundsätzliche Entsorgungsfrage gelöst wäre. Aus ihrer Sicht wird das Problem lediglich verlagert. Die Betreiberseite und die zuständigen Behörden verweisen dagegen auf die Genehmigungslage, die Sicherheitsprüfungen und die fehlende dauerhafte Perspektive am Standort Jülich.

Der Konflikt wird NRW weiter beschäftigen

Der mögliche Castor-Transport nach Ahaus zeigt, dass die Atommüllfrage in Nordrhein-Westfalen auch nach dem Atomausstieg nicht erledigt ist. Es geht nicht mehr um laufende Kernkraftwerke, sondern um die jahrzehntelange Verantwortung für alte Brennelemente, Zwischenlager und Transporte. Solange kein Endlager zur Verfügung steht, bleiben Standorte wie Ahaus Teil einer Übergangslösung, die politisch, juristisch und gesellschaftlich umstritten ist.

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