Berentzen vor Übernahme: Sazerac verspricht Investitionen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die geplante Übernahme der Berentzen-Gruppe durch Sazerac nimmt konkrete Formen an. Der US-Spirituosenkonzern und der deutsche Getränkehersteller haben am Montag, 21. September 2026, eine Vereinbarung über einen Unternehmenszusammenschluss geschlossen. Über eine deutsche Tochtergesellschaft will Sazerac den Aktionären 5,55 Euro in bar für jede Berentzen-Aktie anbieten. Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens unterstützen den geplanten Zusammenschluss.

Für den traditionsreichen Konzern aus Haselünne ist der Schritt weitreichend. Sazerac kündigt an, die vorhandenen Standorte weiterzuführen und zusätzlich zu investieren. Eine konkrete Beschäftigungsgarantie für sämtliche Mitarbeiter oder eine verbindlich veröffentlichte Mindestlaufzeit für einzelne Werke wurde bislang jedoch nicht genannt.

Sazerac bietet 5,55 Euro je Berentzen-Aktie

Das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot soll über die Blitz 26-877 GmbH abgewickelt werden, die künftig Sazerac Germany Holding GmbH heißen soll und vollständig zu Sazerac gehört. Angeboten werden 5,55 Euro je Aktie in bar. Nach Angaben der Unternehmen entspricht das einem Aufschlag von rund 68 Prozent auf den unbeeinflussten volumengewichteten Xetra-Durchschnittskurs der drei Monate vor dem 16. September 2026.

Damit die Transaktion vollzogen werden kann, müssen mindestens 50 Prozent aller Berentzen-Aktien plus eine weitere Aktie angedient werden. Zusätzliche regulatorische Freigaben seien für die Transaktion nicht erforderlich. Der Abschluss wird für das vierte Quartal 2026 erwartet.

Die eigentliche Angebotsunterlage muss noch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geprüft werden. Erst nach der Gestattung durch die Bafin werden die vollständigen Bedingungen des Angebots veröffentlicht. Vorstand und Aufsichtsrat von Berentzen wollen anschließend eine gemeinsame begründete Stellungnahme abgeben.

Nach der Übernahme soll Berentzen von der Börse verschwinden

Sazerac verfolgt zugleich das Ziel, Berentzen nach einem erfolgreichen Abschluss des Angebots von der Börse zu nehmen. Der Vorstand von Berentzen hat angekündigt, dieses Vorhaben vorbehaltlich seiner gesetzlichen Pflichten zu unterstützen. Die Aktie wird derzeit im Regulierten Markt im General Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gehandelt.

Damit geht es nicht nur um einen Eigentümerwechsel. Bei erfolgreichem Abschluss würde auch die seit Jahrzehnten bestehende Börsennotierung der Berentzen-Gruppe perspektivisch enden.

Sazerac ist ein familiengeführter US-Spirituosenkonzern. Das Unternehmen wurde 1850 in New Orleans gegründet und hat heute seinen Hauptsitz in Louisville im Bundesstaat Kentucky. Nach eigenen Angaben erzielte der Konzern 2025 einen Nettoumsatz von mehr als sechs Milliarden US-Dollar. Zum Portfolio gehören unter anderem Buffalo Trace, Fireball und Southern Comfort.

Was die Vereinbarung für Haselünne bedeutet

Besondere Bedeutung hat die Übernahme für die bestehenden Standorte der Berentzen-Gruppe. Haselünne ist weiterhin Konzernzentrale. Dort befinden sich außerdem der historische Berentzen Hof sowie Verwaltung und eine Produktionsstätte der Tochtergesellschaft Vivaris für alkoholfreie Getränke. Spirituosen werden vor allem im Werk Minden hergestellt.

Sazerac erklärte im Zusammenhang mit der Vereinbarung, die bestehenden Standorte nicht nur weiterbetreiben, sondern durch zusätzliche Investitionen weiterentwickeln zu wollen. Außerdem sollen Marken aus dem Sazerac-Portfolio künftig teilweise durch das deutsche Team produziert und vertrieben werden.

Für Haselünne ist das zunächst ein Signal für die Fortführung der dortigen Aktivitäten. Eine detaillierte Investitionssumme wurde allerdings nicht genannt. Ebenso gibt es bislang keine veröffentlichte Zusage, die jeden einzelnen Arbeitsplatz für einen bestimmten Zeitraum absichert.

Ende 2025 beschäftigte die Berentzen-Gruppe nach eigenen Angaben konzernweit 428 Mitarbeiter an fünf Standorten in drei Ländern. Zur Gruppe gehören neben dem Spirituosengeschäft auch alkoholfreie Getränke und Frischsaftsysteme.

Berentzen kämpfte zuletzt mit schwächerem Geschäft

Die Übernahme kommt in einer Phase, in der Berentzen mit einem schwierigeren Marktumfeld zu kämpfen hatte. Im ersten Halbjahr 2026 ging der Konzernumsatz um gut elf Prozent auf rund 71 Millionen Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank deutlich auf rund 600.000 Euro. Das Unternehmen hatte daraufhin seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angepasst.

Berentzen ist mit Marken wie Berentzen, Puschkin, Doornkaat und Bommerlunder im Spirituosengeschäft vertreten. Zum Konzern gehört außerdem das Geschäft mit alkoholfreien Getränken wie Mio Mio sowie der österreichische Frischsaftsystem-Anbieter Citrocasa. Die Unternehmensgruppe ist nach eigenen Angaben in mehr als 60 Ländern aktiv.

Sazerac bezeichnet die geplante Kombination als Grundlage für den Ausbau einer europäischen Spirituosenplattform. Berentzen wiederum verweist auf die internationale Vertriebsstärke und die finanziellen Möglichkeiten des US-Konzerns. Diese strategischen Erwartungen stammen von den beiden beteiligten Unternehmen und sind noch keine nachweisbaren Folgen der Übernahme.

Berentzen-Aktie springt in Richtung Angebotspreis

An der Börse reagierte die Berentzen-Aktie deutlich auf die konkretisierten Übernahmepläne. Nach Daten von MarketScreener wurde das Papier am Montag um 08:01 Uhr vorbörslich mit 5,55 Euro angezeigt. Das entsprach einem Plus von rund 22,5 Prozent gegenüber dem dort ausgewiesenen Xetra-Schlusskurs von 4,53 Euro am Freitag, 18. September. Der vorbörsliche Kurs lag damit exakt auf Höhe des angekündigten Übernahmepreises.

Bereits nach der Bestätigung der Übernahmegespräche in der Vorwoche war der Aktienkurs stark gestiegen. Reuters meldete am Donnerstag zeitweise ein Plus von rund 22 Prozent gegenüber dem vorherigen Niveau.

Ob die Transaktion tatsächlich abgeschlossen wird, hängt nun vor allem vom Erreichen der Mindestannahmeschwelle und den übrigen Bedingungen des öffentlichen Angebots ab. Die vollständigen Angebotsbedingungen werden mit der von der Bafin gestatteten Angebotsunterlage veröffentlicht.

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