
Nach der erneuten Vorstellung des Falls Inga Gehricke bei „Aktenzeichen XY… ungelöst“ sind zahlreiche Hinweise bei der Polizei eingegangen. Die Ermittler hoffen, dass sich unter den neuen Informationen eine Spur befindet, die elf Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens den entscheidenden Durchbruch bringen könnte.
In der ZDF-Sendung am Mittwochabend hatte Polizeihauptkommissar Michael Ripke erklärt, dass die Hinweise in unterschiedliche Richtungen gingen. Zu konkreten Inhalten äußerte er sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Die eingegangenen Informationen müssten nun geprüft und mit den bisherigen Ermittlungsergebnissen abgeglichen werden.
Die Ermittler halten es weiterhin für möglich, dass Inga Gehricke noch lebt. Daher sucht die Polizei nicht nur nach Angaben zu den Ereignissen am Tag ihres Verschwindens, sondern auch nach späteren Beobachtungen.
Von Bedeutung könnten Hinweise auf ein blondes Mädchen sein, das nach Mai 2015 plötzlich an einem anderen Ort auftauchte. Auch unbekannte Personen oder Fahrzeuge in der Nähe des Wilhelmshofes sowie widersprüchliche Erzählungen über das Gelände und Ingas Verschwinden interessieren die Ermittler.
Gesucht werden außerdem Menschen, die sich am 2. Mai 2015 in der Umgebung des Wilhelmshofes aufgehalten haben und bislang nicht von der Polizei befragt wurden. Selbst Beobachtungen, die damals unwichtig erschienen, könnten heute neue Ermittlungsansätze ermöglichen.
Die damals fünfjährige Inga Gehricke verschwand am 2. Mai 2015 auf dem Wilhelmshof im Landkreis Stendal. Sie war dort mit ihrer Familie zu Besuch. Während die Erwachsenen ein Grillfest vorbereiteten, spielten mehrere Kinder auf dem Gelände.
Gegen 18.40 Uhr wurde Inga zuletzt gesehen. Wenig später fiel auf, dass sie nicht mehr bei den anderen Kindern war. Eine umfangreiche Suche mit Polizisten, Feuerwehrleuten, freiwilligen Helfern, Suchhunden und Hubschraubern blieb ohne Ergebnis.
In den folgenden Jahren durchsuchten Einsatzkräfte wiederholt Wälder, Gebäude und Gewässer. Teiche wurden abgepumpt, mögliche Spuren ausgewertet und Angehörige erneut befragt. Auch Archäologen und Geologen unterstützten die Ermittlungen. Eine eindeutige Erklärung für Ingas Verschwinden gibt es bis heute nicht.
Bislang ist nicht geklärt, ob Inga das Gelände allein verließ, einen Unfall hatte oder Opfer eines Verbrechens wurde. Auch eine Entführung wird von den Ermittlern weiterhin in Betracht gezogen.
Der Fall gilt als besonders rätselhaft, weil das Mädchen innerhalb eines kurzen Zeitraums von einem belebten Gelände verschwand. Trotz zahlreicher anwesender Personen konnte bisher niemand eine Beobachtung liefern, die Ingas Verbleib eindeutig erklärt.
Die erneute Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY“ sollte deshalb auch Menschen erreichen, die bislang geschwiegen oder ihre damaligen Wahrnehmungen für unbedeutend gehalten haben.
Für Hinweise, die zur Aufklärung des Falls führen, hat die Polizei eine Belohnung von 25.000 Euro ausgesetzt. Ein Smoothie-Hersteller, der bereits mit Ingas Foto auf Flaschen auf den Vermisstenfall aufmerksam gemacht hatte, stellte weitere 25.000 Euro in Aussicht. Insgesamt könnten damit bis zu 50.000 Euro gezahlt werden.
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