
Ein Jahr nach dem Tod von Margot Friedländer hat Berlin der Holocaust-Überlebenden und unermüdlichen Zeitzeugin gedacht. Die Gedenkfeier am Samstag auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee war ein bewegender Moment der Erinnerung – und ein stilles Bekenntnis zu dem, was diese Frau für Generationen bedeutet hat.
Am 10. Mai 2026 – genau ein Jahr nach ihrem Tod am 9. Mai 2025 – versammelten sich zahlreiche Gäste auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee in Berlin, um Margot Friedländer zu ehren. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hielt eine Rede, in der er das außergewöhnliche Leben und das unerschütterliche Engagement dieser Frau würdigte. Friedländer war 103 Jahre alt geworden – ein Leben, das mehr Wandel, Leid und Widerstandskraft enthielt als die meisten Menschen sich vorstellen können.
Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier vom Schulchor des Hans-Carossa-Gymnasiums in Berlin. Die Schule wird nach den Sommerferien in Margot-Friedländer-Gymnasium umbenannt – eine Ehrung, die zeigt, wie tief Friedländers Botschaft gerade bei jungen Menschen verankert werden soll. Zu den Gästen zählten auch die Schauspielerin Iris Berben, der frühere Fußball-Nationalspieler Arne Friedrich sowie die frühere Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).
Bereits am Donnerstag zuvor erhielt der Platz vor dem Berliner Abgeordnetenhaus offiziell den Namen Margot Friedländers. Die Umbenennung war ein symbolisches Bekenntnis der Hauptstadt: Der Name dieser Frau soll mitten in der Stadt präsent bleiben – nicht nur in Büchern und Ausstellungen, sondern auch im Stadtbild.
Margot Friedländer – geboren am 5. November 1921 als Anni Margot Bendheim in Berlin-Kreuzberg – wuchs in einer jüdischen Familie auf, die in der Berliner Textilindustrie tätig war. Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten begann für sie und ihre Familie eine Zeit der Verfolgung und des Terrors. Im Januar 1943 wurden ihre Mutter und ihr Bruder von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo beide ermordet wurden. Auch ihr Vater fiel den Mördern des NS-Regimes zum Opfer.
Margot selbst tauchte unter und versteckte sich monatelang in Berlin. Im April 1944 wurde sie schließlich verraten und verhaftet. Die Nationalsozialisten deportierten sie in das Konzentrationslager Theresienstadt – doch Margot Friedländer überlebte. Nach dem Kriegsende emigrierte sie 1946 mit ihrem Mann Adolf Friedländer in die USA, wo sie Jahrzehnte lang lebte.
Die Rückkehr nach Berlin im Jahr 2010 markierte den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Mit über 80 Jahren begann Friedländer, in Schulen, bei Veranstaltungen und in Medien von ihren Erlebnissen zu berichten. Ihr Leitsatz „Versuche, dein Leben zu machen“ – auch der Titel ihrer 2008 erschienenen Memoiren – wurde zu einem Bekenntnis, das Millionen Menschen erreichte. Jüngste Umfragen zeigen, wie wichtig solche Erinnerungsarbeit bleibt: Nur 13 Prozent der deutschen Juden sehen eine gute Zukunft für ihre Gemeinschaft in Deutschland.
Der Tod der letzten großen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen hinterlässt eine Leerstelle, die durch kein Medium und kein Archiv vollständig gefüllt werden kann. Friedländer selbst hatte immer wieder betont, dass sie für jene spreche, die nicht mehr sprechen können. Diese Aufgabe geht nun auf die nächste Generation über – auf Schulen wie das künftige Margot-Friedländer-Gymnasium, auf Projekte wie die Margot-Friedländer-Stiftung und auf jeden Einzelnen, der ihren Appell gehört hat.
Das Berliner Ensemble veranstaltete ebenfalls eine musikalische Gedenkfeier, bei der Pianist Igor Levit und weitere prominente Gäste Friedländers Erbe ehrten. Solche Veranstaltungen zeigen: Die Erinnerung an Margot Friedländer ist keine staatliche Pflichtübung, sondern ein echtes gesellschaftliches Anliegen – quer durch Generationen, Berufe und politische Lager. Auch der Blick auf Kunstwerke wie Schindlers Liste zeigt, wie das kollektive Gedächtnis lebendig gehalten werden kann.
Eines hat Margot Friedländer immer wieder klargemacht: Erinnerung ist keine Last – sie ist eine Verpflichtung. Und solange Berlin Plätze nach ihr benennt, Schulen ihren Namen trägt und Menschen zusammenkommen, um gemeinsam zu gedenken, lebt ihr Vermächtnis fort. Auch in Münster gibt es Initiativen, die dieses Erbe aktiv pflegen und an die Befreiung erinnern.
Quellen: Tagesspiegel, news.de, berlin.t-online.de, echo24.de (Stand: 10. Mai 2026)
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