Infineon trennt sich für 1,12 Milliarden Dollar von Speicherchips

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der deutsche Halbleiterkonzern Infineon ordnet sein Produktportfolio neu und verkauft einen Teil seines Speichergeschäfts an den taiwanischen Chiphersteller Winbond Electronics. Die Unternehmen haben eine verbindliche Vereinbarung über die Übernahme des NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts geschlossen. Der Grundkaufpreis liegt bei 1,12 Milliarden US-Dollar. Bezahlt werden soll vollständig in bar. Vor dem Vollzug sind noch die üblichen Anpassungen sowie behördliche Genehmigungen erforderlich.

Infineon verkauft Speichergeschäft an Winbond und konzentriert sich damit stärker auf jene Halbleiterbereiche, die der Konzern als seine wichtigsten Wachstumstreiber betrachtet. Der Abschluss der Transaktion ist derzeit für die zweite Hälfte des Jahres 2027 vorgesehen. Bis dahin bleibt das Geschäft bei Infineon.

Winbond übernimmt NOR Flash und F-RAM

Gegenstand des Verkaufs sind NOR-Flash-Speicher und F-RAM-Produkte. Die Bausteine werden unter anderem in Fahrzeugen, Industrieanlagen und Infrastruktur eingesetzt. NOR Flash dient typischerweise dazu, Programme und andere Daten dauerhaft zu speichern. F-RAM kombiniert ebenfalls nichtflüchtige Speicherung mit einer hohen Zahl möglicher Schreibvorgänge und wird deshalb unter anderem für industrielle und automobile Anwendungen genutzt.

Es handelt sich damit nicht um einen vollständigen Rückzug Infineons aus Speicherprodukten. Der Konzern behält weitere spezialisierte Lösungen. Dazu gehören SRAM, HYPERRAM, nvSRAM sowie auf der SONOS-Technologie basierende strahlungsgehärtete Speicher. Solche Bauteile kommen neben Auto-, Industrie- und Infrastrukturanwendungen auch in der Luft- und Raumfahrt sowie im Verteidigungsbereich zum Einsatz.

Winbond übernimmt nach eigenen Angaben 100 Prozent der Anteile an der für das Geschäft vorgesehenen Einheit. Nach Abschluss der Übernahme soll diese wieder den Namen Spansion tragen. Der Sitz der eigenständigen Gesellschaft soll in San Jose im US-Bundesstaat Kalifornien liegen. Der Name Spansion hat historische Bedeutung für das Geschäft, das teilweise auf frühere Unternehmensstrukturen zurückgeht, die später über Cypress Semiconductor zu Infineon kamen.

Rund 350 Beschäftigte sollen zu Winbond wechseln

Mit dem Geschäft sollen nach Angaben eines Infineon-Sprechers rund 350 Beschäftigte aus zehn Ländern zu Winbond wechseln. Ein großer Teil der betroffenen Arbeitsplätze befindet sich in den USA. Beschäftigte in Deutschland sind nach bisherigen Angaben nur in geringem Umfang betroffen. Winbond selbst bestätigte, dass Mitarbeiter aus mehr als zehn Ländern sowie zusätzliche Partner aus der Lieferkette in die neue Struktur eingebunden werden sollen, veröffentlichte jedoch keine eigene konkrete Beschäftigtenzahl.

Winbond will mit der Übernahme seine weltweiten Entwicklungsressourcen erweitern und die Versorgung internationaler Kunden stärken. Das Unternehmen ist auf Speicherhalbleiter spezialisiert und verfügt bereits über ein eigenes Portfolio an Code-Storage-Flash, sicheren Flash-Lösungen und kundenspezifischen Speicherprodukten. Der Konzern betreibt unter anderem zwei 300-Millimeter-Fabriken in Taiwan.

Für Winbond verbreitert der Zukauf insbesondere das Angebot für Kunden in der Autoindustrie und im industriellen Umfeld. Infineon begründet den Schritt dagegen mit einer stärkeren Konzentration von Portfolio und Kapital auf zentrale Wachstumsfelder. Zu diesen zählen beim Münchner Konzern insbesondere Leistungshalbleiter, Mikrocontroller, Lösungen für Fahrzeuge, Stromversorgungssysteme und Anwendungen rund um Rechenzentren und das Internet der Dinge.

Kaufpreis von 1,12 Milliarden Dollar noch anpassbar

Der vereinbarte Grundkaufpreis liegt bei 1,12 Milliarden US-Dollar. Infineon beschreibt die Bewertung auf schulden- und liquiditätsfreier Basis. Winbond weist darauf hin, dass vor dem Abschluss der Transaktion noch übliche vertragliche Anpassungen vorgenommen werden können. Der letztlich gezahlte Betrag kann deshalb vom genannten Basispreis abweichen.

Die Transaktion steht zudem unter dem Vorbehalt der erforderlichen regulatorischen Freigaben und weiterer Vollzugsbedingungen. Einen Abschluss peilen beide Seiten für die zweite Hälfte des Kalenderjahres 2027 an. Welche einzelnen Kartell- oder Investitionskontrollbehörden das Geschäft prüfen werden, wurde in den Mitteilungen nicht im Detail aufgeschlüsselt.

Infineon-Aktie reagiert zunächst mit Kursplus

An der Börse wurde die Verkaufsankündigung zunächst von Kursgewinnen begleitet. Die Infineon-Aktie schloss am 16. September 2026 im Xetra-Handel bei 55,00 Euro und damit 1,23 Prozent über dem vorherigen Schlusskurs. Die Kursdaten stammen von MarketScreener auf Basis des Xetra-Handels. Am folgenden Handelstag geriet die Aktie zeitweise unter Druck. Am Freitag, 18. September, schloss sie auf Xetra bei 55,86 Euro und damit 2,68 Prozent höher als am Vortag.

Aus den Kursbewegungen lässt sich allerdings nicht eindeutig ableiten, welchen Anteil die Speichertransaktion an der Entwicklung hatte. Halbleiteraktien wurden in derselben Woche zugleich von allgemeinen Branchennachrichten, Zinsbewegungen und der hohen Volatilität im Technologiesektor beeinflusst.

Halbleiterbranche investiert stärker in Wachstumsfelder

Der Verkauf fällt in eine Phase, in der große Halbleiterhersteller ihre Investitionen stärker nach Produktgruppen und Wachstumsperspektiven priorisieren. Besonders hohe Summen fließen derzeit in Chips für künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Stromversorgung und leistungsfähige Speicher. Gleichzeitig ist der Markt für Speicherchips von erheblichen Schwankungen geprägt.

Bei klassischen DRAM- und NAND-Produkten hat sich die Versorgungslage durch die steigende Nachfrage aus Rechenzentren und KI-Systemen zuletzt deutlich angespannt. NOR Flash und F-RAM bilden allerdings eigene Marktsegmente und sind nicht direkt mit den besonders stark nachgefragten Hochleistungsspeichern für KI-Beschleuniger gleichzusetzen. Der Infineon-Verkauf ist daher vor allem als Portfolioentscheidung zu verstehen und weniger als unmittelbare Reaktion auf die Knappheit bei anderen Speicherarten.

Infineon hatte zuletzt zugleich seine Aktivitäten in Bereichen rund um Stromversorgung und KI-Rechenzentren ausgebaut. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von rund 14,7 Milliarden Euro und beschäftigte zum Ende des Geschäftsjahres etwa 57.000 Menschen. Mit dem Verkauf des NOR-Flash- und F-RAM-Geschäfts reduziert Infineon nun einen vergleichsweise spezialisierten Teil seines Portfolios, während Winbond seine Stellung als internationaler Speicheranbieter verbreitern will.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu