
Nach dem Kontakt mit Meerwasser haben sich drei Menschen aus Berlin mit Vibrionen infiziert. Einer der Betroffenen starb an den Folgen der Erkrankung. Zwei Infektionen stehen vermutlich im Zusammenhang mit Aufenthalten an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern. Alle Erkrankten waren älter als 75 Jahre und gehörten damit zu einer besonders gefährdeten Personengruppe.
Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales hat die drei Fälle in seinem aktuellen Bericht zu Infektionskrankheiten erfasst. Bei sämtlichen Betroffenen entwickelten sich Wundinfektionen. In zwei Fällen breiteten sich die Bakterien im Körper aus und führten zu einer Sepsis. Eine der Erkrankungen endete tödlich.
In zwei der drei Fälle gehen die Behörden davon aus, dass sich die Betroffenen durch den Kontakt verletzter Haut mit Meer- oder Brackwasser in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt haben. Wo sich die dritte Person infizierte, geht aus den bisherigen Angaben nicht eindeutig hervor.
Vibrionen gelangen vor allem über offene oder noch nicht vollständig verheilte Wunden in den Körper. Dabei muss es sich nicht um eine große Verletzung handeln. Auch kleine Schnitte, Kratzer, aufgeweichte Hautstellen oder Wunden, die erst beim Baden entstehen, können eine Eintrittsstelle bilden. Die Erkrankung wird deshalb nicht durch das Baden allein ausgelöst. Entscheidend ist, ob belastetes Wasser mit einer offenen Hautstelle in Kontakt kommt.
Vibrionen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise in Salz-, Brack- und teilweise auch in Süßwasser vorkommen. Nicht alle Arten sind für Menschen gefährlich. Bestimmte Arten können jedoch Wundinfektionen, Ohrentzündungen oder Magen-Darm-Erkrankungen verursachen.
Besonders gut vermehren sich die Bakterien bei Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad und einem mäßigen Salzgehalt. Die Ostsee bietet ihnen deshalb während warmer Sommerperioden günstige Bedingungen. Vor allem flache Küstenabschnitte können sich schnell erwärmen.
Infektionen durch sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen sind in Deutschland weiterhin selten. Die meisten gemeldeten Wundinfektionen stehen jedoch mit einem Aufenthalt an der Nord- oder Ostseeküste in Verbindung. Seit 2020 müssen nachgewiesene Vibrionen-Infektionen in Deutschland gemeldet werden.
Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht vor allem bei älteren Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Dazu gehören insbesondere Diabetes sowie schwere Erkrankungen der Leber oder des Herzens. Auch bei den drei Berliner Fällen gehörten sämtliche Betroffenen aufgrund ihres Alters von mehr als 75 Jahren zur Risikogruppe.
Bei gesunden Menschen mit unverletzter Haut ist das Infektionsrisiko vergleichsweise gering. Menschen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten warmes Meerwasser nach Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung jedoch meiden. Das gilt besonders, wenn zusätzlich Vorerkrankungen oder eine Immunschwäche bestehen.
Eine Vibrionen-Infektion kann sich zunächst durch eine rasche Rötung, Schwellung oder ungewöhnlich starke Schmerzen im Bereich einer Wunde bemerkbar machen. Auch Fieber und Schüttelfrost sind möglich.
Schwere Infektionen können sich schnell im Gewebe ausbreiten. Gelangen die Erreger in die Blutbahn, kann eine lebensbedrohliche Sepsis entstehen. In einzelnen Fällen werden Operationen notwendig, um befallenes oder abgestorbenes Gewebe zu entfernen.






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